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Youngtimer Garage: Für Fahrer und Schrauber von Fahrzeugen aus den 60er, 70er und 80er Jahren
Wartung des Jaguar XJ12
Categories: Jaguar

Der V12 Motor des Jaguar XJ 12 ist ein imposantes Stück Technik. Man benötigt fast einen halben Tag, um mit dem Pferd von der einen A-Säule – rund um die Motorhaube – bis zur anderen A-Säule zu reiten. Und sind es wohl die weiten Wege, die eine Werkstatt für Arbeiten am Jaguar berechnet. Einen alten Jaguar sollte sich nur halten, wer auch einen entsprechenden Neuwagen dieser Klasse finanzieren könnte. Schon der Wechsel von 12 Zündkerzen wird beispielsweise gern mit 2 Stunden Arbeit berechnet. Fein raus ist dann der versierte Hobbyschrauber mit Hebebühne. Es lässt sich bei allen unten genannten Arbeiten enorm viel Geld sparen.

Der gleiche Motor wurde seit 1971 auch in den Schwestermodellen Daimler Double Six, XJC und XJS sowie in einigen späten E-Types verbaut. Der 5,3 Liter Motor hat je nach Baujahr und Entwicklungsstufe zwischen 253 und 295 DIN-PS (186 bis 217 KW) und legt dabei mindestens 412 Nm bei 3600 U/min an. Ein gut gewarteter V12 kann problemlos 300.000 Meilen oder umgerechnet rund 480.000km laufen. Böse Zungen behaupten, man benötige stets zwei Jaguar: Einen zum Fahren und einen für den Mechaniker. Da mag früher was dran gewesen sein, wer aber heute noch seine beiden Jaguar V12 aus den 70er/80er Jahren als Alltagsfahrzeuge betreibt, hat meinen großen Respekt.

 

Kühlung

Eine der goldenen Regeln dabei ist: „nicht kochen!“. Wenn der V12 überhitzt, können sich die Ventilsitze lösen, sobald der Motor wieder abkühlt. Der V12 ist eine verdammt große Maschine in einem doch recht zierlichen Motorraum. Trotzdem läuft alles wunderbar, solange der Besitzer ein paar Regeln beachtet: Dies umfasst regelmäßige Inspektionen. Die Katze will gestreichelt werden. Geeignete Kühl- und Frostschutzmittel mit Korrosionsschutz sollten ausreichend eingefüllt sein und eine Spülung des gesamten Kühlkreislaufes ist alle 4 bis 5 Jahre angeraten. Auch sollten dabei die Temperaturfühler (vergammelt, kaputt) und Gummischläuche (rissig, undicht) kontrolliert werden.

 

Lenkung

Spätestens wenn die Lenkunterstützung mit der Zeit weniger gut anspricht, sollte man nach Ölaustritt an den (un-)Dichtungen Ausschau halten. Dabei auch mal auf den Faltenbalg drücken, um zu kontrollieren, ob diese vollgefüllt mit heimlich entflohenem Öl sind. Die Dichtung am Ritzel kann undicht sein, weil sie recht nah am heißen Abgassystem verbaut ist. Sie kann aber leicht ersetzt werden.

 

Zündung

Tief unten im V12 versteckt wird die Zündung gern vergessen, was nicht besonders clever ist, denn eine gut gewartete Zündanlage ist Voraussetzung für eine knackige, schnell ansprechende Maschine. Fahrzeuge mit einer OPUS oder Lucas Zündung (vor 1989) haben einen mechanischen Zündverteiler welcher für deutliche Leistungseinbußen verantwortlich ist, wenn er nicht sauber abgeschmiert ist. Ein fehlerhaftes Unterdrucksystem wird den eh schon satten Spritverbrauch in die Höhe treiben. Wenn die Möglichkeit besteht, sollte man die OPUS Zündung durch die Lucas-Variante ersetzen. Fahrzeuge nach 1989 haben eine weithegend wartungsfreie elektrische Marelli Zündung/Einspritzung.

 

Karosserie

Jaja, die Karosserie… Egal ob Coupé (XJ-C, XJ-S), Limousine (XJ) oder Sportwagen (E-Type) – die Formgebung begeistert ohne Zweifel. Aber Rost sorgt immer und ständig für Ärger. Ein gängiges Missverständnis lautet, dass Facelift-Fahrzeuge nicht rosten. Das ist natürlich Quatsch – der Zerfall dauert nur etwas länger. Typische Roststellen sind vordere Schwellerbereiche, Radläufe, Einfassungen der Front- und Heckscheibe sowie der untere Teil der Türen. Frühzeitiges Einschreiten bei erkennbarer Pickelbildung und die übliche Rostversorge helfen, Schlimmeres zu vermeiden und Kosten zu sparen.

 

Gangschaltung und Getriebe

Die wenig verbaute 4-Gang Handschaltung kommt mit der Kraft des V12 ohne Probleme zurecht. Und auch die 4-Gang Automatik  Borg Warner Model 12 ist ähnlich stark ausgelegt. Nur der Nachfolger GM 400 erwies sich als nicht derart vertrauenswürdig, obwohl der Gangwechsel an sich damit viel sanfter erfolgt. In den späteren 6.0 Liter Modellen wurde der lang erwartete Overdrive eingeführt, aber leider passt dieses Element nicht an den 5,3 Liter Motor. Insgesamt ist bei allen Bauteilen wenig Wartung erforderlich.

 

Kraftstoffsystem

Sowohl die analogen (3CU), die digitalen (6CU) und die mikroprozessorgesteuerten (16CU) Varianten funktionieren meist ausreichend zuverlässig. Gelegentlich treten Transistorschwächen auf oder ein Vakuumsensor versagt seinen Dienst. Wesentlich häufiger sind leckende Treibstofftanks – und der XJ hat zwei davon – anzutreffen, die Risse an der Schweißnaht zeigen. Wie bei vielen älteren Autos kann die inzwischen ausgehärtete Kraftstoffleitung unter der Haube porös und undicht werden. Da dies gefährlich ist, sollte man die Leitungen einer Zweifinger- und Sichtkontrolle unterziehen.

 

Achsen und Aufhängung

Hier liegt der Schlüssel zur Jaguarwartung. Sehr regelmäßig sollten Aufhängungen kontrolliert werden. Die Achsen wollen über Schmiernippel abgeschmiert werden und wenn erforderlich sollte man Gelenke und Lager durch Qualitätsteile ersetzen. Speziell bei britischen Oldtimern kosten diese nicht besonders viel mehr als billige Aftermaket Ware aus Übersee.  Ausgeleierte Buchsen an der Hinterachse lassen sich daran erkennen, dass das Fahrzeug zunehmend scheint, von hinten gelenkt zu sein. Ein Klack-ein-klack-aus beim Gasgeben und Lastwechsel kommt von ausgeleierten Querlenkern. Letzteres führt neben schlechten Fahreigenschaften auch zu erhöhtem Reifenverschleiß.

 

Bremsen

Die Staubschutzkappen an den vorderen Bremssätteln sollten auf Risse geprüft werden. Scheibenbremsen mit Riefen gehören ersetzt, ein Abschleifen macht heutzutage finanziell keinen Sinn mehr und man riskiert dabei die Mindeststärke zu unterschreiten. Da die hinteren Bremsscheiben innen liegen und somit nicht ganz einfach ersetzt werden können, stellt sich hier gern ein gewisser Wartungsstau ein. Speziell die Handbremsbeläge sind meist noch immer die der Erstauslieferung.

 

Elektrik

Auch wenn die Elektrik für Fahrzeuge der 70er recht komplex und üppig ausfiel, kann man mit wenig Logik und falls nötig einem Diagnosehandbuch schnell und gezielt auf Fehlersuche gehen. Häufigste Krankheiten sind ein defekter Wischermotor oder Fensterheber. Die Beleuchtung der Anzeigen erscheint immer etwas schwach, aber das ist kein Defekt.

Großer Spaß: Die letzten XJ und XJ-S liefen mit einem Airbaglenkrad (erkennbar an der großen Kiste zwischen den Lenkradspeichen) vom Band, aber nicht immer war darin auch ein Airbag verbaut. Wenn in späten Modellen elektrische Sitzverstellung eingebaut ist, kann diese aufgrund Kabelbruch mit den Jahren schon mal versagen. Die Reparatur ist aber sehr einfach und was nicht drin ist, kann auch nicht kaputt gehen.

 

Quellen: Mein eigener XJ12 und die beiden original Werkstatthandbücher,  http://jaguarslover.blogspot.com, Wikipedia, ein etwas älterer Link der Fachpresse zum Jaguar XJ und noch einer von der Konkurrenz. Zum Schluss noch die Bilderserie zum XJ-S V12.



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