Was bedeutet „Originalzustand“ bei Oldtimern?

Ralf G. schreibt:
Hallo, die Meinungen sind sehr unterschiedlich: Wenn ich vom Originalzustand spreche, heisst es dann immer
unrestauriert oder kann dieser auch restauriert sein? Oder bedeutet Originalzustand auch Auslieferungszustand?
Wenn ich zum Beispiel die originale Lackierung durch eine Neue in einem original Farbton ersetze, weil die Alte nicht erhaltenswert ist, was passiert dann mit dem Wert und auch dem „Ansehen“ der Restaurierung?

Wenn ich alles zerlege um eine „1“ zu bekommen, schlechte Teile ersetze z.B. Schrauben, Gummis usw., kann mann dann
noch von einer Restaurierung sprechen oder ist es dann ein Neuaufbau? Und wie wird diesr dann gewertet?

Vielen Dank, Ralf

 

 

Hallo Ralf,

erst einmal muss ich Dich enttäuschen, denn mit einem gebrauchten Fahrzeug wirst Du nie die Zustandsnote 1 erreichen. Die Definition ist nämlich „neu oder besser“. Wir reden hier von sehr wenigen alten Fahrzeugen, die nie gefahren wurden, sondern immer nur Ausstellungsstück waren. Gleichwohl dürfen sie keine Alterungserscheinungen zeigen.

Aber Deine Frage zielte auf den Begriff „Originalzustand“. Dieser ist an verschiedenen Stellen definiert.

Der Duden belehrt uns, Ori|gi|nal|zu|stand sei ein ursprünglicher, unveränderter Zustand von etwas, also der Urzustand. Dies gilt für alle Dinge und schließt jede Veränderung aus. Sei es durch Benutzung oder durch Witterung oder durch Nachlackieren.

Die Straßenverkehrsordnung ist da nicht ganz so streng:
Im Sinne § 23 StVZO liegt der Originalzustand eines Fahrzeugs dann vor, wenn:
• das Fahrzeug in der vorliegenden Ausführung mit der vorliegenden Ausstattung vom Hersteller so produziert wurde oder
• die vom Hersteller produzierte Fahrzeugbaureihe die vorliegende Ausführung und Ausstattung umfasste oder
• in der Fahrzeug-ABE die vorliegende Ausführung und Ausstattung typisiert war.

Der TÜV-Süd will dazu noch zu ergänzen:
Nur Fahrzeuge, die vor mindestens 30 Jahren erstmals in den Verkehr gekommen sind, weitestgehend dem Originalzustand entsprechen, in einem guten Erhaltungszustand sind und zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienen, können als Oldtimer eingestuft werden und die Schlüsselnummer „0098“ erhalten (§ 2 Nr. 22 FZV). Fahrzeuge, die vor mindestens 30 Jahren erstmals in Verkehr gekommen sind, aber die bezüglich der Erstzulassung diese Bedingung nicht erfüllen, unterliegen der Nachweispflicht des Verfügungsberechtigten. Gegebenenfalls ist eine Ausnahmegenehmigung erforderlich.

Beim TÜV wird vor allem unterschieden zwischen Originalzustand und zeitgenössischer Zustand. Letzterer ist eben nicht mehr original, entspricht aber dem, was zur Bauzeit des Fahrzeugs plus 10 Jahre üblich und erlaubt war.

Im Moment ist der Trend ja, dass man sogenannte Patina (Anm.: Patina ist ungleich Dreck und Gammel) höher bewertet als eine sauber durchgeführte Komplettrestaurierung. Dies kann aber auch eventuell nur eine Modeerscheinung sein. Eine fachgerechte Nachlackierung in Originalfarbe – und damit ist nicht nur der Farbton, sondern auch die chemische Zusammensetzung gemeint – würde vom TÜV im Rahmen der § 23 StVZO (Abnahme zum H-Kennzeichen) als Originalzustand erkannt werden. Jede andere Farbe wäre bestenfalls zeitgenössisch. Ähnlich verhält es sich mit Anbauteilen wie Gummidichtungen, Spiegel, etc.

Einfach mal Nachschauen und vielleicht Ersetzen

Viele Autofahrer ahnen bestenfalls, wo in ihrem Fahrzeug Verbandkasten und Warndreieck liegen. Unter der Heckklappe? In der Mittelarmlehne? Beim Reserverad? Benutzt haben sie diese Dinge nie, der letzte Ersthelferkurs liegt Jahre zurück und im Zweifel wäre es vielleicht besser, das Verbandzeug dort zu lassen, wo es ist und stattdessen schnell mit dem Telefon professionelle Hilfe zu rufen. Nicht nur weil der potentielle Helfer überfordert ist, sondern auch weil das Verbandzeug komplett überaltert ist.

Für Verbandkästen gibt es kein H-Kennzeichen!

Nun schreibt der § 35 StVZO vor, dass ein Verbandkasten mitzuführen ist – ebenso wie ein Warndreieck und eine Warnweste. Wer keinen Verbandkasten mitführt, riskiert ein Verwarnungsgeld von € 5,- und bei der HU einen Mangel. Die Füllung des Verbandkastens hat ein Verfallsdatum. Wer mit seinem Oldtimer oder Youngtimer immer noch die Originalbefüllung seit Fahrzeugauslieferung mitführt, hat höchstwahrscheinlich brüchige Baumwolltücher, poröse Wundauflagen und Pflaster im Gepäck, die niemals kleben. Selbst vor Ablauf des Verfalldatums kann das Verbandzeug unbrauchbar werden. Dazu genügt ein Stellplatzin praller Sommersonne und Wageninnentemperaturen über 90°C.

Neue Vorschrift zur Befüllung

Seit Jahresbeginn 2014 gilt für Verbandkästen eine geänderte Norm. Die bisherigen Kästen dürfen nur noch bis Jahresende verkauft werden und deshalb gibt es jetzt eine Menge Restposten als Sonderangebote in Handel. Bis zum Ende des Verfalldatums können und dürfen diese Kästen auch weiterhin genutzt werden.

Gegenüber DIN 13164 (Stand: Januar 1998) wurden die Befüllung neueren medizinischen Erkenntnissen angepasst

Neu aufgenommen wurde:
– 1 14-teiliges Fertigpflasterset
– 1 Verbandpäckchen K
– 2 Feuchttücher zur Hautreinigung
Es entfallen:
– 1 Verbandpäckchen M
– 1 Verbandtuch BR
– 4 Stück Wundschnellverband 10 x 6
– die Verwendung von Mullbinden als Alternative für Fixierbinden

Unnötige Verkehrshindernisse: Bagatellschaden

Sehr häufig im Berufsverkehr, wenn die Schlafmützen noch im Bett liegen sollten oder in Gedanken ganz woanders sind: Bremslicht-Quiietsch-Rumms! Der Abstand war wohl doch nicht groß genug, die Aufmerksamkeit nicht auf das vorausfahrende Fahrzeug gerichtet und nun haben wir… nein, meist nicht einmal einen Blechschaden. Dazu war die Geschwindigkeit im allmorgendlichen Stop-and-Go noch zu langsam. Meist handelt es sich um einen leicht verkratzten Stoßfänger, eventuell hat eine Designerleuchte des Plastikautos nun einen Riss. Das ist ganz ohne Zweifel ärgerlich, aber eben mehr auch nicht.

Es gibt Länder, da würde man jetzt einfach weiter fahren. Gut, das sollte man nicht, denn Unfallflucht wird in Deutschland nach §142 bestraft. Was mich allerdings immer wieder extrem ärgert, sind die Desorientierten, die mitten im Kölner Berufsverkehr wegen eines Bagatellschadens mal eben die Fahrbahn sperren. „Ooohh, ich weiß doch nicht, was ich tun soll. Besser alles so stehen lassen und im Auto warten, bis die Polizei kommt.“ Es dauert dann keine fünf Minuten und die Innere Kanalstraße ist über die Zoobrücke bis zur Autobahnaufahrt A3 zu einer spontanen 10km langen Gebrauchtwagenausstellung geworden.

Was läuft da falsch? §34 StVO macht das sehr genau klar: Bei Bagatellschäden ist die Unfallstelle sofort zu räumen. Also zum Ausdrucken und auswendig Lernen:

  1. Anhalten
  2. Warnblinkanalage einschalten
  3. Ist den Fahrzeuginsassen etwas passiert?
  4. Vorsichtig aussteigen – nach hinten gucken!
  5. Ist den anderen am Unfall Beteiligten etwas passiert?
  6. Kurz den Schaden abchecken

Wenn jetzt nichts Besonderes vorgefallen ist und die Unfallstelle nicht besonders gesichert werden muss, es sich also definitiv um einen Bagatellschaden handelt, dann werden

  1. jetzt ein paar aussagekräftige Bilder und/oder Videos vom Unfallort gemacht.

Ein Mobiltelefon hat heute fast jeder dabei und nicht ganz selten war es sogar die Benutzung dieses Geräts, die den Unfall erst auslöste – nur mal eben den Kommentar bei Facebook gelesen…

  1. Unmittelbar danach kann man mit den Fahrzeugen in die nächste Seitenstraße, auf den Parkplatz, auf den Seitenstreifen fahren und den Rest klären.
  2. Zum Beispiel die Polizei anrufen.

Das ist bei Mietwagen, Carsharing sowie einigen Dienstwagen sogar im Vertrag so vorgeschrieben. Aber da steht nicht: „Du sollst die nächste halbe Stunde mitten auf der Fahrbahn stehen bleiben, bis die Uniformierten Dich finden.“ Die haben nämlich auch nicht gesehen, wie es zum Unfall kam und werden deshalb als erstes nach ihrer Ankunft sagen „fahren Sie bitte ganz schnell zur Seite.“ Es gilt unbedingt, weitere Unfälle im nachfolgenden Verkehr zu vermeiden. Wer den Verkehr bis jetzt unnötig aufgehalten hat, kann mit einem Bußgeld von 30 Euro rechnen.

Auch die Daten des Unfallgegners kann man in Ruhe schon mal aufnehmen, solange man auf die Polizei wartet. Dabei hilft der standardisierte Europäische Unfallbericht, den es bei den KFZ-Haftpflichversicherungen gibt. Kann man sich ins Handschuhfach oder auf das Ersatzrad legen. Und wer keinen Dienstwagen, kein Firmenfahrzeug, Mietwagen oder sowas fährt, kann auch ganz auf die Unterstützung der Polizei verzichten. Abseits des nun wieder fließenden Verkehrs können noch in aller Ruhe Detailfotos des Schadens aufgenommen werden.

Bleibt noch eine Frage: Wie ist denn ein geringfügiger Schaden oder Bagatellschaden defniert?

Das Oberlandesgericht Köln (Az.: Ss 932/78) hatte vor Jahren einen Schaden von ca. 600 Euro als nicht geringfügig eingestuft. Neuere Meinungen in der Literatur gehen von einer Bagatellgrenze von 2000 Euro aus. Andere Quellen nennen 700 Euro oder 750 Euro. Das ist schwierig zu definieren, da allein der Austausch der Stoßstange an Muttis VW-Touareg-Bomber gern um 2000 Euro kosten kann, der 1996er Ford Ka eines Studenten aber insgesamt noch maximal 450 Euro wert ist.

 

 

 

Schrauberplätze für Oldtimer in Köln

Gestern schrieb Frank aus far-far-away-land:

Hallo. Ich lebe in China und habe meinem Sohn vor 2 Jahren zur „Schule und Uni“ Unterstuetzung einen 67 Mustang gekauft. Nun zieht er aus Marburg nach Köln, um dort zu studieren. Somit suchen wir eine trockene Unterstellmöglichkeit. Der Platz sollte ein bisschen Schrauben und einfaches Rein- und Rauskommen erlauben, da der Wagen an Wochenenden gefahren werden soll (9 Monate pro Jahr, bei Schnee und Eis wird nicht gefahren). Es sollen auch einzelne Reparaturen vergeben werden, da mein Sohn nicht wirklich „der Schrauber“ ist. Könnt ihr mir bitte sagen, ob dies alles bei euch möglich ist und was der Stellplatz kosten würde?

Nun, erst einmal hätte ich auch gern zur Motivationssteigerung einen Mustang bekommen. Egal ob zum Schulabschluss oder weil ich so ein netter Kerl bin. Allerdings finde ich das 65er Modell als Convertible mit 4.3l V8 interessanter… Aber dies ist eine andere Geschichte und sie soll ein andermal erzählt werden.

Dann die erste Enttäuschung: Die Stellplätze in der Youngtimergarage sind derzeit alle vergeben. Eine Vermietung findet nur langfristig statt. Wenn aber mal ein Projekt beendet wird und ein Platz frei werden sollte, dann melde ich mich immer zuerst bei den Leuten, die hier oder hier schon mal eine Anfrage gestellt haben. Dort stehen auch die Preise. Wenn ich damals auch nur geahnt hätte, wie groß die Nachfrage nach geeigneten Stellplätzen ist, hätte ich gleich eine wesentlich größere Halle erworben und das Ganze anders aufgezogen.

In der Youngtimergarage wird ausschließlich selbst geschraubt. Das schließt nicht aus, dass man sich gegebenenfalls untereinader hilft, aber es gibt keinen professionellen oder gar kostenpflichtigen Service. Über einzelne Projekte wird auf der Webseite der Youngtimer Garage in unregelmäßigen Abständen berichtet. In den letzten Wochen ist die Berichterstattung etwas dünn ausgefallen, das hat ausschließlich juristische Gründe, über die ich später einmal ausführlich berichten werde, sobald die Sache geklärt ist.

In Köln gibt es meines Wissens kein großes Angebot an Stellplätzen, Ausstellungsfläche, Schraubermöglichkeit für Oldtimer und Youngtimer. In Düsseldorf hat man die Remise (früher Meilenwerk), aber mit ganz anderen Konditionen und in Köln noch Hilgers, aber auch dort sind die Plätze sehr begrenzt oder gar nicht mehr im Angebot. In normalen Garagen, ist – obwohl oft praktiziert – das Schrauben nicht erlaubt und meist auch zu eng. Diese sind ausschließlich zum Parken von motorisierten Fahrzeugen genehmigt. Schon wer sein Fahrrad, einen Rasenmäher oder Wintersportgeräte in eine Garage stellt, verstößt gegen die Bauvorschriften und muss mit einem Bußgeld um 500 EUR rechnen (Quelle mit Video siehe hier). Wer seine Zündkerzen wechselt, Wartungsarbeiten ausführt oder gar eine Grube aushebt, muss zuvor eine Nutzungsänderung beantragen, letztere wird in Wohngebieten üblicherweise nicht erteilt (Jura-Link siehe hier).

Sollte sich ein potentieller Investor finden, bin ich gern bereit, mit diesem planend und beratend zusammen zu arbeiten, um auch im Raum Köln/Bonn ein professionelles Angebot auf die Beine zu stellen. Kontakt hier.

 

Garantie beim Gebrauchtwagenkauf

Garantie – Sachmängelhaftung – Privatverkauf – Verkauf durch Händler – 1 Jahr – 2 Jahre

Eine Klärung der häufigsten Irrtümer

Garantie und Sachmängelhaftung

Nur die Sachmängelhaftung oder Gewährleistung schreibt der Gesetzgeber vor, eine Garantie hingegen ist eine freiwillige Leistung mit erweiterten Leistungen. Der Verkäufer sichert mit einer Gewährleistung zu, dass ein Produkt zwei Jahre mängelfrei ist oder er die Reparaturkosten übernimmt. In den ersten sechs Monaten gilt die Umkehr der Beweispflicht: Der Verkäufer muss beweisen, dass ein bestimmter Fehler beim Verkauf noch nicht bestand. Nach Ablauf der sechs Monate muss dies der Käufer nachweisen. Bei allen gebrauchten Dingen kann die Dauer der Sachmängelhaftung auf ein Jahr verkürzt werden. Wenn ein Fahrzeug noch in der Gewährleistung des Herstellers steht (zum Beispiel bei Jahreswagen), verschiebt sich die Haftungspflicht anteilig auf diesen. Die Sachmängelhaftung sieht eine kostenlose Nachbesserung durch den Händler beim Auftreten von Fahrzeugmängeln vor. Verbrauchsmaterial und Verschleißgegenstände (Öl, Reifen, Bremsen, Wischerblätter, …) sind von der Sachmängelhaftung und von der Garantie ausgenommen. Manchmal sind auch bestimmte Baugruppen ausgenommen oder es wird bei Reparaturen eine Selbstbeteiligung fällig. Es ist zulässig, die Garantieansprüche an bestimmte Bedingungen (zum Beispiel regelmäßige Wartung in einem bestimmten Betrieb) zu knüpfen. Letzteres ist besonders clever, da sich der Händler auf diese Weise die Kosten für die Garantie vom Käufer nach ein paar Monaten wieder zurück holt und gleichzeitig hat der Kunde das Gefühl, vollkommen umsorgt zu sein.

 

„Ich kaufe nur beim Händler, denn nur der gibt Garantie“

Bereits seit 2002 sind gewerbliche Autohändler in Deutschland verpflichtet, Mängel am Fahrzeug kostenlos nachzubessern. Hier greift die gesetzliche Sachmängelhaftung (siehe oben).

Vorsicht Privatverkäufer: Wer kein Händler ist, kann/muss im Kaufvertrag die Sachmängelhaftung explizit ausschließen. Fehlt eine entspreche Vereinbarung, hat der Käufer sehr gute Karten und kann 2 Jahre lang die Beseitigung von nach dem Kauf aufgetretenen Mängeln verlangen. Der Kauf unter Haftungsauschluss von Privatpersonen birgt ein höheres Risiko, daher sind die Preise hier meist auch niedriger. Ausgenommen von dem Haftungsauschluss sind vom Verkäufer bewusst verschwiegene Mängel oder Manipulationen. Darüber hinaus kann man aber auch als Privatperson die Haftung für Sachmängel übernehmen oder sogar freiwillig eine private Gebrauchtwagengarantie anbieten. Ein solches Angebot stellt zum Beispiel die German Assistance zur Verfügung. Auf deren Seiten kann man sich auch gleich online über die individuellen Kosten informieren; für einen 9 Jahre alten Mittelklassewagen mit 150.000km zahlt man rund 100€ für 6 Monate. Wenn zum Beispiel ein potentieller Käufer den Preis mit dem Argument „Du bist kein Händler“ um glatte 1000 Euro drücken möchte, könnte der private Verkäufer schnell mit der Garantie kontern.

Wie schon oben erwähnt, sind gewerbliche Händler verpflichtet, die Sachmängelhaftung zu übernehmen. Einige bieten darüber hinaus auch eine Garantie an. Um die Kosten und Risiken hierfür kalkulierbar zu halten, arbeiten die meisten mit Versicherungen zusammen. Solche Angebote sind nur für gewerbliche Fahrzeuganbieter mit einem größeren Umsatz möglich und reichen von einfachen Grundtarifen bis zur werbewirksamen 1000 Tage oder freiwilligen 5 Jahresgarantie. Den Händler kostet eine solche Garantie je nach Umfang 150 bis 250 Euro, die er natürlich auf den Kaufpreis aufschlägt.

 

Verkauf ohne Garantie geht auch

Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit eines Defektes beim Gebrauchtwagen. Das würde die Versicherungen unattraktiv teuer machen. Mir ist kein Anbieter bekannt, der einen Reparaturkostenschutz für 15 Jahre oder ältere Autos anbietet. Youngtimer und Oldtimer werden daher auch von gewerblichen Händlern üblicherweise unter Ausschluss der Garantie angeboten. Bei perfekter Restaurierung und sonstiger Arbeiten kann sich der Verkäufer noch überlegen, die Sachmängelhaftung selbst zu übernehmen. Ansonsten wird ein altes Auto in brauchbarem Zustand auch gern als Ersatzteilträger, Basterauto oder nur für Exportzwecke deklariert. Damit kann sich der Händler nämlich um die gesetzlichen Vorgaben drücken. Unseriös finde ich die Masche, dass ein Händler angeblich nur als Vermittler zwischen zwei Privatpersonen auftritt. Insbesondere wenn der Wagen zuvor auf den Internetseiten des Händlers ohne den Hinweis „Verkauf im Auftrag von Privat“ angeboten wurde, in dessen Verkaufsräumen besichtigt wurde und der Kaufvertrag beim Händler ohne Anwesenheit des angeblichen Privatverkäufers vom Händler unterschrieben wird, liegt Betrug vor. Dann hat Händler ein Vermittlungsgeschäft nur vorgetäuscht um die Gewährleistung zu umgehen. Es wird aber schwierig zu beweisen sein, ob sich zum Zeitpunkt des Verkaufes die Ware auch im Eigentum des Händlers befand.

 

 

 

Fahrzeuguntersuchung für Oldtimer abgeschafft

Leider nur in Großbritannien…

Davon träumt der geneigte Oldtimerbersitzer in Deutschland: Weil Oldtimer (oder auf der Insel spricht man von classic cars) nur 0,03% der Verkehrsunfälle ausmachen und zugleich mit 0,6% am Verkehrsaufkommen beteiligt sind  und weil Besitzer solcher Fahrzeuge sowieso mehr auf den Zustand des Gefährts achten als der normale Halter, entfällt ab 01. November 2012 die MOT.

Die MOT ist normalerweise jährlich fällig und ähnelt der in Deutschland bekannt HU allerdings ist man in England etwas weniger streng. Als classic cars sind alle Autos definiert, die vor 1969 gebaut wurden. Darüber hinaus sind Fahrzeuge vor Baujahr 1973 auch noch von der Steuer befreit.

Quelle: Autotrader und Oldtimer Markt

Wegfall der Rückdatierung der HU-Plakette

Wenn man sich heute Pressemitteilungen aus dem Herbst 2011 anschaut (zum Beispiel hier oder hier), macht sich ähnlich wie bei der Lachnummer Wechselkennzeichen Enttäuschung breit. Damals noch hieß es, die unsinnige Rückdatierung der Plakette bei überzogener Frist zur Hauptuntersuchung bei TÜV, Dekra, GTÜ und ähnlichen würde zum April 2012 abgeschafft. Seit Dezember 1999 führt eine verspätet durchgeführte HU dazu, dass die Frist für die nächste HU mit dem Monat der Fälligkeit der letzten HU beginnt. Dabei ist diese Regelung nicht einheitlich in den verschiedenen Bundesländern umgesetzt: So ist die Rückdatierung in Hessen und im Saarland faktisch abgeschafft. Auch in Bayern gibt es Ausnahmen von der Rückdatierung, wenn der Termin für die Hauptuntersuchung sehr lange überzogen wurde. Im Extremfall fährt man bei uns mit einem Fahrzeug beim Prüfer vor, dass seit 100 Wochen überfällig ist. Dann bekommt man eine Untersuchung und bei positivem Befund auch eine Plakette, die aber in etwas weniger als einem Monat wieder abläuft. Oder man bezahlt gleich die doppelten Prüfgebühren für eine Prüfung und kommt dann erst in zwei Jahren wieder.

 

Das ist natürlich völliger Quatsch und nach über 13 Jahren sieht das der Gesetzgeber auch so. Die Reform sieht folgendes vor: Gegen eine höhere Gebühr – wegen der Mehrarbeit des Prüfers bei einem überfälligen Fahrzeug (hahaha…) – ist die neu erteilte Plakette immer 2 Jahre gültig. Aber die geplante Reform der Hauptuntersuchung (HU) verzögert sich und wird doch nicht wie vorgesehen diesen April umgesetzt. Einer Pressemeldung des TÜV Süd zufolge gibt es bei der Novellierung der Straßenverkehrs-zulassungsordnung (StVZO) auf Ebene der Bundesländer weitergehenden Beratungsbedarf. Nun heißt es, die Neuerungen treten am 1. Juli 2012 in Kraft. Es bleibt nur noch abzuwarten und zu hoffen, dass dies am Ende nicht so ein Desaster wird wie das Wechselkennzeichen. Und ich fahre jetzt den seit Oktober überfälligen R107 nach seiner Winterpause zum TÜV, denn die Sonne ruft heute und nicht erst im Juli.

Muss ich Benzin oder Diesel tanken?

Die Preise für einen Liter Diesel liegen im Großraum Köln derzeit bei rund 1,50€ und damit selbst inflationsbereinigt so hoch wie selten zuvor (siehe Grafik unten). Es fehlt nicht viel und die ersten Langfinger werden wieder organisiert zuschlagen und Kraftstoffe aus anderen Quellen abzapfen, so wie der Anstieg der Rohstoffpreise für Metall auch für das nächtliche Verschwinden von Bahntrassen und Kommunikationsleitungen sorgt. Die Gründe für die derzeit hohen Preise sind unterschiedlich, einige waren schon hier zusammen getragen.

Datenquelle: Statistisches Bundesamt

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, andere Kraftstoffe zu verwenden. Eine Umrüstung ist nicht immer erforderlich. Für Ottomotoren empfiehlt sich eine Umrüstung auf Flüssiggas (LPG) oder Erdgas (CNG), allerdings gefährden die meisten Umbauten das für Oldtimer und Youngtimerfahrer wichtige H-Kennzeichen. Daher möchte hier nicht näher darauf eingehen. Bei Dieselmotoren sieht es anders aus. Ohne große Umbauten und daher unter Einhaltung der Richtlinien zur Oldtimerabnahme lassen sich andere Stoffe als Diesel in den Tank schütten. Geht das wirklich und welche Konsequenzen muss man befürchten?

Drei Ersatzstoffe sind dem Diesel ähnlich: Biodiesel oder Rapsmethylester (RME), reines Pflanzenöl (meist Rapsöl) sowie leichtes Heizöl.

Oft wird behauptet, Diesel sei das gleiche wie Heizöl nur anders besteuert. Das ist nur fast richtig. Zuerst die
rechtliche Situation: Der Einsatz von Heizöl als Kraftstoff ist Steuerhinterziehung und damit strafbar. Dabei ist es egal, ob der Kraftstoff für PKW, LKW oder Generatoren benutzt wird. Heizöl ist zum Nachweis rötlich eingefärbt und zudem noch mit geringen Anteilen Solvent Yellow 124 versehen. Je höher der Dieselpreis steigt, desto eher werden Zollbeamte auch mobile Kontrollen durchführen. Wer erwischt wird, muss nicht nur die hinterzogene Steuer nachzahlen, sondern kann auch nach §370 der Abgabenordnung mit bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe oder Geldbuße bestraft werden.

Wie sieht es technisch aus? Die Kohlenwasserstoffe von Heizöl haben einen breiter gestreuten Siedepunkt als Diesel. Die sogenannte Cetanzahl (Zündwilligkeit) wird bei Diesel in einem genormten Bereich gehalten. Bei Verwendung von Heizöl kann es zu Störungen im Verbrennungsvorgang kommen, es bildet sich vermehrt Ruß und die Leistung wird reduziert.

Speziell Winterdiesel enthält Additive, die ein Verstopfen des Kraftstofffilters durch Paraffine bis ca. -20°C verhindern.

Durch den fast 100-fach höheren Schwefelgehalt bildet Heizöl im Brennraum schwefelige Säure (H2SO3), die den Motorraum angreift. Man kann dies durch Zugabe von alkalischen Additiven verhindern. Seit 2003 ist hingegen der an Tankstellen erhältliche Diesel schwefelfrei.

Biodiesel oder RME macht den größten Anteil der in Deutschland verwendeten Ersatztreibstoffe aus. Im Jahr 2010 waren es 4,3% des Gesamtverbrauchs. Der weitaus größte Teil wird dabei normalem Diesel beigemischt. Wer an der Zapfsäule Diesel abgreift, tankt also immer auch 5-7% RME. Dafür sind keine gesonderten technische Voraussetzungen notwendig und der Fahrzeughalter wird auch nicht groß darüber informiert. An der Tankstelle steht irgendwo etwas von B7, aber wer wusste bis jetzt, dass damit 7% RME-Beimischung gemeint ist? Wer reinen Biodiesel fahren will, weil dieser mit derzeit 1,33 je Liter doch erheblich günstiger erscheint, muss möglicherweise sein Fahrzeug umrüsten. Das ist herstellerabhängig und kann hier eingesehen werden. In nicht freigegebenen Fahrzeugen können die lösungsmittelähnlichen Eigenschaften von Biodiesel Kunststoff- und Gummibauteile wie Dichtungen und Benzinleitungen im Motor angreifen. Manchmal wird der Treibstofftrakt sehr schnell undicht, andere Bauteile quellen unter Einwirkung von RME erst auf und werden undicht, sobald man (zum Beispiel im Winter) wieder normalen Diesel tankt. Die Versorgung mit RME erfordert ähnlich wie das Fahren mit Flüssiggas etwas Planung, da nicht jede Tankstelle Biodiesel im Angebot hat. Auf dem Land ist das Angebot meist größer als in den Städten.

Pflanzenöle haben die beste CO2-Bilanz, sind dadurch aber nicht zwangsläufig als ökologisch sinnvolle Alternative zu fossilen Brennstoffen zu bezeichnen. Insbesondere Palmöl muss erst einmal den langen Weg vom Herstellungsland – meist Südostasien und Südamerika – zu uns transportiert werden. Darüber wird es meist in Monokulturen erzeugt, die mit enormem Pestizid- und Düngerverbrauch einher gehen und dadurch die Umwelt stark belasten. Nicht zuletzt werden häufig zuvor intakte Regenwaldflächen kultiviert, um für nur wenige Jahre Ertrag aus dem Boden zu ziehen. Mehr zu diesem Thema hier.

Eine bessere Ökobilanz haben Raps- und Sojaöl, auch wenn beide etwas teurer sind.
Zwischen 1,09 € und 1,52 € liegen die Liter-Preise bei Anlieferung im 1000l Gebinde. Wie kann das sein, wenn der Liter Pflanzenöl im Disountsupermarkt zwischen 0,95 und 1,35€ liegt? Das hängt mit der Besteuerung zusammen. Für Lebensmittel gilt in Deutschland der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 7%, für Kraftstoffe 19%. Zudem muss auch für Biokraftstoffe gemäß Energiesteuergesetz (EnergieStG) derzeit 0,185€ je Liter abgeführt werden. Ab 2013 sollen es sogar 0,45€ sein. Spätestens dann sind Pflanzenöle als Ersatzkraftstoff völlig uninteressant, wenn der Dieselpreis bis dahin nicht auf über 2 Euro steigt. Wer also auf dem Parkplatz vor dem Discounter das Pflanzenöl direkt in den Tank statt in den Salat kippt und die Steuerdifferenz nicht sofort beim nächsten Zollamt entrichtet, begeht ebenso Steuerhinterziehung wie derjenige, der heimlich Heizöl tankt (siehe oben).

Technisch haben Pflanzenöle bei 60 bis 70°C die gleiche Viskosität und Brenneigenschaft wie Diesel bei 15 bis 20°C. Man muss also den Biokraftstoff vorwärmen, um damit problemlos fahren zu können. Das geschieht entweder mit einer elektrischen Heizspirale und/oder mittels Wärmetauscher. Man kann spezielle Zuheizer von Drittherstellern einbauen oder auf polarerprobte Versionen der Motorenbauer zurückgreifen, denn in nördlichen Breiten muss im Winter auch normaler Diesel vorgeheizt werden. Die Materialkosten liegen bei moderaten 100-200 Euro zuzüglich Einbau. Danach steht dem Betrieb eines Dieselmotors mit reinem Pflanzenöl nichts mehr im Weg. Ausführliche Erfahrungsberichte mit Fahrzeugdatenbank und regen Austausch findet man hier.

Irgendwer ist immer dagegen

Nachbarn – glücklich kann sich schätzen, wer keine hat. Es folgen Hinweise zu Rechtsvorschriften, die beim Betrieb einer Schrauberwerkstatt oder einer Oldtimerhalle immer wieder gern in Frage gestellt werden.

Nachbarn sind hartnäckige Gegner, wenn sie Lärm, Gerüche, Schatten oder andere Misslichkeiten wittern. Dazu gehören auch Besucher- und Lieferantenverkehr. Das gilt umso mehr, wenn die Nachbarn nicht ständig im Detail über alle Vorgänge informiert sind. In einer gefährlichen Mischung aus Ahnungslosigkeit, Mutmaßungen und Vorurteilen  gepaart mit der latenten Angst, irgendwie benachteiligt zu werden, steht dann schnell Ärger ins Haus. Wahrscheinlich haben die meisten Schrauber schon mal Ärger mit einem Vermieter oder Nachbarn gehabt  oder es gibt bei euch keine Nachbarn und keine Vermieter.

Muss ich Ölflecken auf dem Boden beseitigen?

Die Kurzform: Wenn der Mietvertrag dies explizit vorschreibt, ja und ohne Einschränkung. Dann gibt es auch keine Diskussion über die Größe oder die Anzahl der Ölflecke.

Der Mieter ist dann immer zur Wiederherstellung des Ausgangszustandes der Mietfläche oder zu Schadensersatzleistung verpflichtet. Wurde nichts vereinbart, ist es wieder einmal Auslegungssache. Insbesondere wenn der Platz oder die Garage ausdrücklich zum Arbeiten an Fahrzeugen oder zum Abstellen von Oldtimern überlassen wurde, liegt es in der Natur der Sache, dass schon mal einzelne Ölflecken vorkommen. Größere Mengen austretendes Öl oder andere Schadstoffe müssen aber sofort aufgenommen werden, bevor sie ins Grundwasser gelangen können. Das geschieht mit Ölbindemittel; restliche Verunreinigungen lassen sich mit Kaltreiniger und mechanischer Unterstützung (Bürste) sowie Dampfdruck entfernen. Ölrückstände gehören nicht in den Hausmüll und nicht in die Kanalisation, sondern müssen professionell entsorgt werden.

Und wie ist das bei gemeinschaftlich genutztem Privateigentum? In aller Regel werden Sondernutzungsrechte bereits in der Gemeinschaftsordnung bzw. Teilungserklärung begründet. In sehr seltenen Fällen behält sich der teilende Eigentümer auch das Recht vor, Sondernutzungsrechte nachträglich zu begründen (OLG Frankfurt, 1998, 20 W 54/98). Mit anderen Worten: Wenn in der Teilungserklärung nicht steht, dass diese oder jene Vereinbarungen getroffen wurden (z.B. „…auf der Stellfläche dürfen ausschließlich betriebsbereite und behördlich zugelassene Fahrzeuge abgestellt werden, eine weitere Nutzung darüber hinaus ist nicht zulässig. … Gefahrenstoffe sind sofort aufzunehmen, Öl- und Farbflecken sind zu vermeiden oder zu entfernen…“), dann gibt es dazu keine Vereinbarung. Herzlichen Glückwunsch!

Wie laut darf man arbeiten?

Das ist davon abhängig, ob man in einem Gewerbegebiet, in einen Mischgebiet oder in einem Wohngebiet arbeitet. Lärm wird üblicherweise in dB(A) gemessen. Unterschiede ergeben sich auch für unterschiedliche Arbeitszeiten. Zur Orientierung: 50 dB(A) ist der Schalldruckpegel einer normalen Unterhaltung in 1m Abstand. 60 bis 80 dB (A) erreicht ein lautes Gespräch, eine Schreibmaschine oder ein vorbeifahrendes Auto in unmittelbarer Nähe. Im Bereich um 80 dB (A) liegen etwa Rasenmäher. 100 dB(A) ist ein startendes Motorrad oder auch eine Kreissäge in 1m Abstand. Mit zunehmendem Abstand sinkt auch die empfundene Lautstärke. Wichtig ist auch, über welchen Zeitraum der Lärm verursacht wird, da lange anhaltender Lärm als gesundheitsschädlich angesehen wird. Unter lange verstehen die Gerichte üblicherweise den ununterbrochenen Betrieb z.B. einer Klimaanlage oder das Üben auf Musikinstrumenten über mehr als 6 Stunden. Siehe auch was ist mit Ruhezeiten weiter unten erklärt.

Die VDI-Richtlinie 2058 und die TA Lärm sehen folgende Immissionsrichtwerte vor:
6 bis 22 Uhr 22 bis 6 Uhr
In Industriegebieten

In Gewerbegebieten

In Kerngebieten, Dorf- und Mischgebieten

In allgemeine Wohn- und Kleinsiedlungsgebieten

In reinen Wohngebieten

In Kurgebieten, für Krankenhäuser und Pflegeanstalten

bis 70 dB(A)

65 dB(A)

60 dB(A)

 

55 dB(A)

50 dB(A)

45 dB(A)

bis 70 dB(A)

50 dB(A)

45 dB(A)

 

40 dB(A)

35 dB(A)

35 dB(A)

Datenquellen: Lexikon der Symbole und Dezibel Tabelle

Was ist mit Ruhezeiten?

Eines gleich vorweg: Deutschlandweit, bzw. auf Bundesebene, gibt es spätestens seit 2002  keine allgemeine ‚Mittagsruhe‘ mehr. Gesetzlich definiert ist nur eine Nacht- sowie eine Sonn- und Feiertagsruhe. Die Nachtruhe beschränkt sich gemäß BImSchG auf die Zeit zwischen 22.00 Uhr und 06.00 Uhr. Anders sieht es aus, wenn der Mietvertrag oder eine Hausordung darüber hinaus engere Grenzen setzt, dann sind diese verbindlich für alle Bewohner.

Was ist mit Rauch und Abgasen?

Ein weites Themenfeld. Zuerst die Autoabgase, weil es einfach zu erklären ist. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf einen abgasfreien Garten oder Innenhof. Solange Fahrzeuge im normalem Rahmen bewegt werden – und dazu gehört bei Oldtimern auch das sonst nicht mehr erforderliche Warmlaufen des Motors sowie Abgaswerte die schlechter ausfallen als bei modernen Anlagen mit Katalysator und Abgasrückführung – können Nachbarn keine Vorschriften zur Benutzung machen. Anders wäre es, wenn der Kläger durch ein Fahrverhalten unnötig belästigt und schikaniert würde unrteilte zum Beispiel das LG Nürnberg.

Dann gibt es noch die Grill-Schrauber, die sich gern mit einem Sixpack und Würstchen vor die Garage setzen. Schlechte Nachrichten für euch: Durch das Grillen auf dem offenen Holzkohlenfeuer erfolgt eine Rauch- und Geruchsbelästigung, die von den sonstigen Mitbewohnern nicht hingenommen werden muss (vgl. AG Wuppertal, 1976, Az. 47 Ur II 7/76). Für das äußerst unmännliche Gas- oder Elektrogrillen hingegen gibt es keine generellen Einschränkungen. Allerdings kann die Hausordnung, die Eigentümer- oder Mietergemeinschaft die Häufigkeit begrenzen – z.B. nur 5 mal im Monat und maximal 2 Stunden am Stück.

Bei Rauchbelästigungen durch gewerbliche Anlagen werden die zuständigen Umweltbehörden eingeschaltet, die dann die notwendigen Feststellungen anhand von Luftmessungen vornehmen. Entsprechend einzuhaltende Richtwerte enthalten Verordnungen und Verwaltungsvorschriften zum Bundes-Immissionsschutzgesetz wie zum Beipsiel die TA Luft und die VO über Großfeuerungsanlagen. Bei einer privatrechtlichen Klage wird der Nachweis einer Beeinträchtigung durch ein Sachverständigengutachten zu führen sein, das vom Klagenden oder von der Hausgemeinschaft beauftragt wird.

Sind Schweißgeräte oder Kompressoren genehmigungspflichtig?

Das ist pauschal nicht zu beantworten. Von einfachen Baumarktkompressoren (am besten mit TÜV/GS Zeichen) geht keine größere Gefahr aus als von normalen Kühlschränken. Letztere sind – wie wohl jeder weiss – auch nicht genehmigungspflichtig. Je größer und spezieller die Geräte werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass Gefahren und Beeinträchtigungen davon ausgehen. Insbesondere der Betrieb von außen angebrachten Klimakompressoren kann genehmigungspflichtig sein. Nähere Informationen erteilt der Hersteller.

Für Schweißgeräte (egal ob MIG, MAG oder autogen), zugehörige Gasflaschen, Lötgeräte, Plasmaschneider Schneidbrenner oder Winkelschleifer gibt es keine gesetztlichen Vorschriften zu Aufbewahrung oder Genehmigung. Allerdings machen die Berufsgenossenschaften Auflagen beim gewerblichen Einsatz. In der Anwendung geht von diesen Geräten eine höhere Brandgefahr aus. Insbesondere in der Nähe von leicht brennbarem Material sind dann entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Abdecken und Freiräumen der Arbeitsfläche sowie das Bereitstellen von Löschmaterial und möglicherweise jemand zweites, der aufpasst (Brandwache) sind die üblichen Schutzmaßnahmen.

Darf ich das Auto auf dem Gelände waschen?

 Aus Umweltschutzgründen darf ein Auto nur dort gewaschen werden, wo keine Beeinträchtigung für das Grundwasser vorliegt. Damit sind unbefestigte oder wasserdurchlässige Böden (Kies, Schotter, Wiese, Pflaster, …) tabu. Ebenso sind Arbeiten am Auto die nicht dem Straßenverkehr oder der Pannenhilfe zuzurechnen sind – dazu gehören der Wechsel auf Sommer-/Winterreifen, Wagenwäsche, Reinigungsarbeiten im Innenraum, etc. – Sondernutzung und darf daher nicht auf öffentlichen Straßen, sondern nur auf dem Privatgrundstück durchgeführt werden.

„Waaas?“, werden jetzt einige aufschreien, „man darf doch sein Auto nicht vor der Garage waschen!“ Nun, in Köln schon. Es sei denn, das Abwasser kann unkontrolliert versickern (siehe oben) oder es wird sonstwie nicht über die Kanalisation abgeleitet. Die Wagenwäsche ist dabei auf nicht-ölige Teile der Karosserie mit klarem Wasser beschränkt. Das wird den einen oder anderen Nachbarn mit Teleobjektiv hinter dem Vorhang jetzt zwar wundern, ist aber rechtlich vollkommen OK. Ansonsten gibt es ja immer noch einige gar nicht so schlechte Waschanlagen, die für knapp 10 Euro ganz gute Vorarbeit leisten.

Verwirrungen um neue Regelung zur H-Abnahme

Journalisten sind nicht immer Experten und bei manchen Verlagen sind die Experten eindeutig in Minderheit gegenüber den lauten Meinungsmachern. Zudem wird auch gern voneinander abgeschrieben – auch Falschmeldungen. Ich hatte schon im Mai auf die nun geltende Änderung der Zulassung als Oldtimer hingewiesen. Dann kamen in der letzten Woche verhäuft Horrormeldungen, dass nur noch mit Note 2 eingestufte Fahrzeuge, ein Oldtimer-Kennzeichen bekämen.

Das ist natürlich Quatsch und dankeswerterweise rücken die Experten der Zeitschrift Oldtimer Markt das hier noch einmal ins richtige Licht.

Gurt- und Anschnallpflicht in Youngtimer und Oldtimer

Mal abgesehen vom Sicherheitsaspekt – bitte keine blöden Ausreden „der Gurt ist so straff, dann kann ich nicht atmen, er nimmt mir die Bewegungsfreiheit, hemmt meinen regelmäßigen Herzschlag und meine Konzentration beim Fahren“ sowas ist völliger Quatsch – sind Sicherheitsgurte seit über 35 Jahren in Deutschland herstellerseitig Pflicht.

Ich lasse bestenfalls technische Gründe gelten, warum das Anbringen von funktionierenden Sicherheitsgurten im Oldtimer keinen Sinn macht. Die Haltepunkte der Gurte müssen fest mit der Karosserie verbunden sein, so dass die Insassen trotz der bei einem Aufprall entstehenden Kräfte in ihrem Sitz gehalten werden. Die benötigten Bohrungen für Höhenversteller, Gurtstraffer, Umlenker und Gurtpeitsche dürfen auch nicht in zu dünnem Blech ausreißen. Zudem müssen die Spannrollen bei (nachgerüsteten) Dreipunkt-Automatikgurten korrekt angebracht sein, denn sonst arretieren sie im Notfall nicht.

Je nach Bauart fallen bestimmte Konstruktionen aus. In einem Land Rover (Serie I bis III) muss man zum Beispiel einigen Aufwand betreiben, um Automatikgurte einbauen zu können, weil für die obere Umlenkung für den Gurtstraffer gar keine vernünftige Halterung in der B-Säule zu finden ist. Einfach zu installieren aber etwas umständlicher in der Handhabung ist jedoch ein normaler Dreipunktgurt. In noch älteren Fahrzeugen und dabei vor allem in Cabrios wird man möglicherweise nur die auch aus dem Flugzeug bekannten Zweipunktgurte anbringen können. Gleiches gilt bei alten Autos meist für die Rücksitze. Das ist immer noch besser als gar nichts, schützt aber bei einem Unfall mit Frontalaufprall nicht vor heftigen Kopfschmerzen.

Für PKW müssen in Deutschland seit 1974 (DDR seit 1978) , In Österreich seit 1976, in der Schweiz ab 1981 auf den Vordersitzen Dreipunktsicherheitsgurte eingebaut sein. Für die Rücksitze gelten die Jahre 1979 (Deutschland), 1984 (Österreich), 1994 (Schweiz). Warum ist das interessant? Weil die Gurtpflicht für Fahrzeuge immer abhängig von Baujahr und Ort der Erstzulassung ist. Soll heißen: Wenn ich ein Fahrzeug aus dem Ausland importiere, dann importiere ich damit auch die Gurtpflicht. Das baugleiche Modell mit Erstzulassung in der Schweiz muss zum Beispiel erst 15 Jahre später auf den Rücksitzen Sicherheitsgurte haben, auch wenn beide Fahrzeuge inzwischen in Deutschland zugelassen sind. Dies wird üblicherweise genau so im KFZ-Schein vermerkt. Sobald aber Gurte eingebaut sind – egal ob verpflichtend oder freiwillig – besteht auch Anschnallpflicht. Gemäß §21a StVO müssen Sicherheitsgurte während der Fahrt angelegt sein. Fahren ohne Gurt kostet 30 Euro, bei Kindern ohne Sicherung 40 Euro und einen Punkt in Flensburg. Verantwortlich für das korrekte Anlegen der Gurte ist immer der Fahrer.

Wer sich in einem Oldtimer ohne Sicherheitsgurte bewegt, setzt sich aber nicht schon allein dadurch schuldhaft einem höheren Verkehrsrisiko aus. So sieht es zumindest das Landesgericht Köln (Az. 2 O 497/06). Die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers wollte die Kosten für Personen- und Sachschäden nicht oder nur in geringem Anteil tragen, weil der OIdtimer keine Gurte eingebaut hatte. Dem Unfallopfer sei aber kein Verstoß gegen die Anschnallpflicht gemäß der StVO (siehe oben) zur Last zu legen, weil das historische Fahrzeug nicht über Anschnallgurte verfügte, die Sitze aber der zugelassenen Benutzung in diesem Sonderfall entsprachen.

Nachtrag: Bei Limora gibt es Anschnallgurte zum Nachrüsten. Durch die vielen unterschiedlichen verfügbaren Farben und Webmuster lassen sich besonders im offenen Klassiker sehr schöne Akzente setzen. Preis pro Paar ca. 250 EUR. Günstiger geht es bei Stevens. Die Preise rangieren hier je nach Bauart zwischen 30 und 70 Euro je Sitzplatz. Ansonsten gibt es auch immer noch ebay.