Ein bemerkenswerter Kunde

Aus diversen Gründen der juristischen Absicherung sind die Beiträge der Youngtimer Garage momentan etwas spärlich. Das hindert mich aber nicht, den einen oder anderen Gastbeitrag zu veröffentlichen. Heute ein Bericht von http://www.ihrwunscholdtimerbauer.de

Ein bemerkenswerter Kunde

Ende 2011 rief mich ein heutiger Kunde an, und erzählte mir, dass er den 240 D Automatik von seinem Vater geerbt habe und er gerne ein H-Kennzeichen hätte. Er meinte, das Auto habe schon ein Jahr keinen Tüv mehr und es wäre sinnvoll, wenn er erst damit zum Tüv fahren und eine Mängelliste holen würde. Ich sagte, dass das nicht nötig sei, aber er wollte es so, er würde sich danach bei mir melden.

Ein paar Tage später rief er mich an, und war sehr niedergeschlagen, da ihm bei der Hauptuntersuchung der Benz stillgeleg wurde und das Auto nun nicht fahrbereit auf dem Betriebsgelände stand. Ich holte das Auto mit Hänger ab und Inspizierte ihn dann in der Werkstatt auf der Bühne. Was sich mir bot, war von außen größtenteils sehr schön, aber alles was man von Außen nicht sah war das schiere Grauen! Bremsleitungen und Dieselleitungen an diversen Stellen durchgerostet (Flüssigkeit tritt aus), Bremsanlage Abfahrgrenze erreicht, Auspuffanlage um, Stoßdämpfer teilweise (schon wieder) trocken und ohne Funktion, zwei Federbrüche, zwei Radlager um. Zu dieser Liste kamen dann noch diverse Kleinigkeiten in der Elektrik und von innen durchgefaulte Türen und Hauben dazu.

Nun, wir sprechen hier von einem 1982er W123 mit „Buchhalterausstattung“ (kein kein kein) und 345000Km auf der Uhr. Die beschriebene  Liste allein wäre normalerweise schon ein „Exporturteil“. Jetzt aber kommen wir zum eigentlichem Problem des Wagens: Der Unterboden bestand zu weiten Teilen aus „Dreischichtreparaturblech“ mit Nieten und Schraubenanteilen. Ich konnte den Prüfer durchaus verstehen, dass er diesen Wagen stillgelegt hat. Und was fragt der Kunde (Familienvater, 2 Kinder, Angestellter): „Wieviel kostet das? Mit H-Abnahme!“ Ich sage: „Kann ich auf Anhieb nicht schätzen, aber es geht in die Tausende“ – Darauf er: Muss ich mit der Familie abklären.

Zwei Tage später steht die ganze Familie bei mir auf der Matte und erklärt, dass sie zusammen 2000.-Euro (Urlaubsgeld und Sparbuch) haben und die Kinder auch noch 500.- Euro Erspartes dazu tun könnten. Der Kunde fragt an, ob er den Rest abstottern könnte. Opas alter Benz soll laut Familienrat auf jeden Fall ein H-Kennzeichen bekommen und im Alltag laufen und der BMW 520i soll lieber in den Export kommen. Bemerkenswert! Sicherheiten hat die Familie nicht, aber sie sind alle 4 einfach so nett, dass ich nicht anders konnte als ihnen den Wunsch zu erfüllen und dem Benz ein H-Kennzeichen zu verpassen. Mitte März 2012 war es dann so weit: Der Benz ist mit H wieder angemeldet und die ganze Familie strahlt, selbst die 13jährige Tochter (der ist echt cool ey).

Jetzt nach 2 Jahren hat er gerade wieder neue Plakette, die Monatsraten für die Restaurierung kommen immer pünktlich und alle sind glücklich und zufrieden.
Wie kaputte Technik aussieht kennt jeder, darum beschränke ich mich auf 6 Fotos der Unterbodenrestauration zum Ausmaß der Schweißarbeiten.

Wolfgang Sommer, Restaurator

 

Die Patina erhalten

Das Oldtimer Fachblatt „Die Welt“ berichtet in einem Beitrag von einer Auktion in Scottsdale, USA (klick hier). Das Ungewöhnliche daran: Zwei auf dem Datenblatt sehr ähnliche Mercedes 300 SL Flügeltürer erzielen unterschiedliche Preise und zwar geht der unrestaurierte und mit viel Wohlwollen als Zustandsnote 4- zu beschreibende Wagen teurer weg als der fertig restaurierte Bruder. Kein Gelegenheitskauf: 1,4 und knapp 1,9 Millionen US$ zuzüglich Auktionsgebühren müssen die neuen Besitzer zahlen.

In dem Beitrag wird ein Experte zitiert: „Den unberührten Originalzustand gibt es nur einmal – wenn er weg ist, ist er weg. Restaurieren können Sie alle zwei Jahre.“
Tatsächlich ist es unglaublich schwierig, alte Fahrzeuge so zu restaurieren, dass eine originale (!!) Patina erhalten bleibt, das Auto oder Motorrad aber dennoch technisch in Ordnung und vollkommen fahrbereit ist. Und Sinn mach so etwas natürlich nur bei wirklich wertvollen Fahrzeugen. Bei jüngeren und weniger wertvollen Oldtimern ist der Übergang von Ranz zu Patina eher fließend.

Diesen zunehmenden Trend, echte Patina zu erhalten oder gar nachgemachte Patina neu aufzuschminken diskutieren im pro und contra auch die Herren Kienle und Steiger in auto bild klassik (klick hier).

Mercedes CE Preise für Youngtimer und junge Oldtimer

Vom Mercedes CE mit Youngtimer- oder Oldtimerstatus existieren die Varianten des /8, die Baureihe W123 und inzwischen auch die Baureihe W124. Letztere kam 1987 mit einem Coupé auf den Markt und daher ist zumindest das Youngtimeralter erreicht.

In diesem Artikel geht es aber ausschließlich um die CE der Baureihe W123. Vier Modellvarianten stehen hier zur Auswahl: 230 C, 230 CE, 280 C und 280 CE. Anders als beim Vorgänger gab es keine 250er Motoren und Diesel im W123-Coupé sind entweder Umbauten, die schon mal von der Landbevölkerung durchgeführt wurden oder Reimporte aus den USA, denn in Deutschland wurde der 300CD nie verkauft.

Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und Preis-Leistung ist heute wie damals das 230CE Modell am häufigsten im Angebot. Die von Verkäufern aufgerufenen Preise schwanken je nach Zustand zwischen 2000 und 10.000 Euro. Alles unterhalb dieser Grenze ist Kernschrott, der zerlegt und in Teilen verkauft werden muss. Alles darüber sind nicht gerechtfertigte Wunschvorstellungen. Deshalb finden zwei Drittel der Angebote auch keinen Käufer, da letztes Höchstgebot und festgesetzter Mindestpreis zu weit auseinander liegen. Jemand sollte den Verkäufern sagen, dass sie keinen SLC der Baureihe 107 verkaufen…

Doch welche Preise werden wirklich vom Käufer bezahlt? Wie schon bei einigen anderen Modellen (hier) nutze ich hierfür die Auswertung finaler Auktionspreise bei ebay. Nur Angebote, die tatsächlich einen Zuschlag erhielten (Mindestpreis wurde erreicht) und die nicht kurz darauf wieder eingestellt wurden (Freund hat mitgeboten und das Limit überspannt) werden berücksichtigt. Räumliche Eingrenzung ist ein Radius von 200km um Köln; je nach Region können die erzielten Preise ein wenig unterschiedlich ausfallen. Der Zustand des Fahrzeuges spielt aber eine wesentlich größere Rolle. Üblicherweise werden bei ebay eher gebrauchte Fahrzeuge der Klasse 4 und 5 inseriert. Wenn der Wagen zugelassen ist und noch ausreichend Guthaben bis zur nächsten HU und keine erkennbaren Schäden hat, ist das für mich ein Zustand 3. Einen besseren Zustand muss der Verläufer mit einem entsprechenden Gutachten nachweisen. Es scheint als könne man das meiste Auto fürs Geld bekommen, wenn man gute Fahrzeuge mit geringer Laufleistung ohne Zulassung kauft. In meiner Bewertung ist das dann trotzdem eine 4. Mit wenigen Handgriffen und mehr Aufwand bei der Zulassung erhält man hier gute Klassiker unter 3000 Euro. Meist handelt es sich dabei um Reimporte ohne deutsche Papiere oder andere kleine Mängel führten dazu, dass keine neue HU erteilt wurde und vor allem stehen die Autos noch ohne H-Zulassung da. Allein Letztere steigert den Marktwert schon um 500-1000 Euro.

Leider kann ich bei dieser Auswertung nicht auf verschiedene Ausstattungsvarianten (mit Schiebedach, Becker-Radio, Klimaanlage, LPG verbaut) eingehen und auch andere aufwertende Faktoren wie mitgelieferte 8-fach Bereifung oder Ersatzteile bleiben unberücksichtigt.

 

Hersteller Modell Typ Baujahr km (in Tsd) Zustand Preis
Mercedes 230C W123

1977

180

4

1508

Mercedes 230C W123

1979

122

3

5339

Mercedes 230CE W123

1980

104

4

6950

Mercedes 230CE W123

1982

250

5

1061

Mercedes 280CE W123

1977

210

4

1990

Mercedes 280CE W123

1979

153

2

6400

Mercedes 280CE W123

1977

177

3

3610

Mercedes 230CE W123

1982

154

2

6350

Mercedes 230CE W123

1980

184

3

3334

Mercedes 230CE W123

1980

135

4

1122

Mercedes 230C W123

1980

119

5

1200

Mercedes 230CE W123

1981

195

5

1213

Mercedes 230CE W123

1978

125

4

1560

Mercedes 280CE W123

1980

69

2

8250

Mercedes 280CE W123

1980

199

5

1000

 

Youngtimer und Oldtimer Links im Juli 2012

Die Links zu Beiträgen anderer in diesem Monat enthalten mehr Hinweise auf Fahrzeuge mit prominentem Vorbesitzer. Vielleicht liegt das daran, dass im Sommer das Geld für alte Autos besonders locker sitzt.

40 Jahre Mercedes W116

Der Cadillac von Al Capone

Limousine oder Coupé

Mercedes 500 SEC von Fürst Rainier v. Monaco

W124 Cocoon

Aufgemotzte Rostlauben

Diese Modelle werden Klassiker (so ein Quatsch)

Als gestern noch morgen war

Abarth – Und der Vogel fliegt

 

 

Kombi, Station Wagon, Estate Car

Der nächste Artikel fällt eindeutig in die Rubrik unnützes Wissen: Im deutschen Sprachgebrauch reden wir meist von einem Kombi, was übrigens die Kurzform von Kombinationskraftwagen ist. Gemeint ist die Kombination aus PKW und LKW oder einem Auto zur Beförderung von Lasten und von Personen. Bevor Mutti das SUV für sich entdeckt hatte (weil sie von oben so schön den Verkehr sehen kann), suchten werdende Eltern meist nach einem Kombi und verkauften dann Papas Sportwagen, weil jetzt Platz für Pampers und Kinderwagen her musste. Schon viel früher hatten Handwerker die praktische Ladeklappe im Heck für sich entdeckt.

Vergleich der Karosseriebauformen Stufenheck, Kombi und Schrägheck am Beispiel Ford Focus. Quelle: Public Domain, en-Wikipedia

Weil Kombi die blechgewordene Spießerkarre schlechthin bezeichnet, haben sich die Hersteller eine Reihe phantasivoller Namen dafür einfallen lassen. Keiner will hingegen einen anderen Namen für Coupé im Programm haben – warum wohl? Variant (VW), Avant (Audi), Break (Citroen), Clubman (mini), Touring (BMW), Turnier (Ford) oder schlicht T-Modell (Mercedes) heißen die Bauweisen. Bei machen Baureihen wie zum Beispiel dem VW-Passat macht der Kombianteil über 70% der zugelassenen Fahrzeuge aus.

In Nordamerika und Australien spricht man von einem Station Wagon, in England hingegen von einem Estate Car oder etwas veraltet von einem Shooting Brake. Station Wagon leitet sich dabei von spezialisierten Fuhrunternehmern ab, die ein von Pferden gezogenes Gespann hatten, auf dem vorn Passagiere und hinten das Gepäck transportiert wurde. Damit fuhren sie zwischen Bahnhof (Station) und Hotel hin und her.

Als Youngtimer oder Oldtimer mit Potential zur Wertentwicklung sind Kombis gar nicht zu empfehlen. Alte Autos werden zumeist als Spaß- oder Luxusfahrzeuge bewegt und sollen auch ein wenig Prestige darstellen. Daher sind Coupé und Cabrio die Bauweisen mit der vergleichsweise höchsten Wertsteigerung. Auch wenn ein W123 T-Modell oder ein Wartburg-Tourist einigermaßen kultig sein mögen…

Oldtimer und Youngtimer Links im Februar

Kalt ist es im Februar 2012 geworden und auch bei den Links zu den Texten, Beiträgen und Videos nimmt mitunter die Kälte Einzug. Die Linklisten aus den vergangenen Monaten sind hier zu finden. Dieser Artikel wird bis zum Ende des Monats bearbeitet und ergänzt, wenn ich noch auf interessantes Material der Anderen stoße.

Winterkarre, aber zack zack

Ergebnisse der letzten – dann doch nicht so hochpreisigen – Auktionen bei RM

Jetzt wird’s peinlich: A-Team Van Replicas

Rover 827

Car Guys

Hospiz der Heckflossen

MAN-Traktoren

Corvette – eine amerikanische Legende (Teil 1 und Teil 2)

Audi 100 L5S Avant

Opel Rekord D , Mercedes E-Klasse W114/W115 , Ford Granada MK I

 

 

Linksammlung Januar 2012

Neues Jahr, neues Glück. Auch für den ersten Monat 2012 habe ich wieder ein paar anschauenswerte Artikel und Videos gefunden, die ich hier zusammen gestellt habe. Die Links der Vormonate sind wie immer hier zu finden.

 

Bei Citroen läuft die Haltbarkeit von Autos nach 12 Jahren ab

Jetzt oder nie

Selbstschrauberkurse im Porsche Museum

Mercedes W 123 – Der Dieselsound unserer Erinnerung

Diese Offroader werden wertvoll

Im Paradies der Käfer

Land Rover: Der greise Riese

Das letzte Biotop des Mannes

Das Luftnummernschild

H-Kennzeichen : Die neuen Klassiker 2012

 

Ausstellung: 60 Jahre Mercedes-Benz SL

Im Frühjahr 2012 geht die neue Generation des Mercedes-Benz SL an den Start. Ab Dienstag, 24. Januar 2012, widmet das Mercedes-Benz Museum der legendären Baureihe eine eigene Sonderausstellung. Unter dem Namen Zeitlos – 60 Jahre Mercedes-Benz SL werden alle SL-Baureihen der vergangenen 60 Jahre präsentiert – zum ersten Mal gemeinsam in einem einzigen Raum.

SL – nur wenige Kürzel rufen bei Automobil-Enthusiasten so viel Begeisterung hervor wie die SL-Baureihe von Mercedes-Benz. SL steht für sechs Jahrzehnte Sportlichkeit und Ästhetik. Was im Jahr 1952 mit dem Rennsportwagen 300 SL (Baureihe W 194) begann und sich in den Folgejahren zu einem Mythos entwickelt hat, wird im Frühjahr 2012 mit der Markteinführung des neuen SL (R 231) fortgeführt. Dieser setzt einen weiteren Glanzpunkt in der faszinierenden Historie aller SL.

Mit der Sonderausstellung „Zeitlos – 60 Jahre Mercedes-Benz SL“ bekommt die besondere Baureihe von Mercedes-Benz in ihrem Jubiläumsjahr eine passende Bühne: Im Raum Collection 5 warten auf die Besucher neben den Ausstellungsfahrzeugen interessante Exponate, Informationen und Anekdoten. Vom 300 SL (W 194), dem legendären Siegerauto der Carrera Panamericana des Jahres 1952, über den 190 SL (W 121) von US-Astronaut David R. Scott aus dem Jahr 1959, bis zum Safety-Car der Formel-1 von 2001, dem SL 55 AMG (R 230): Die Besucher dürfen sich auf eine lückenlose Präsentation der SL-Familie freuen. Ein umfangreiches Begleitprogramm mit speziellen Führungen und Veranstaltungen ist in Vorbereitung.



Youngtimer und Oldtimer Links im September

Umfrage Youngtimer: Beliebter Stern

Jeep Grand Wagoneer: Die Wagenburg

Youngtimer / Oldtimer und ihre Spitznamen

Kennt ihr eigentlich noch “Der 7. Sinn”

Neue Richtlinie für H-Kennzeichen

Berichte und Sammelalbum klassischer Autos

Youngtimer mit Stern

Eine Pressemitteilung von TNS Emnid geistert durch die Medien. Und Youngtimer-Blogger Lukas wird darüber alles andere als amused sein. Fast gleichzeitig informieren Focus, Motorvision und 1300ccm darüber, dass Mercedes der beliebteste Youngtimer sei. 35% der Befragten sagten dies, mit 17% folgte VW und mit einstelligen Prozentzahlen folgten Audi, Ford sowie Opel. Leider gibt die Studie keine Auskunft darüber, welches Modell nun konkret gemeint war und wie die telefonisch befragten Personen einen Youngtimer definierten. Einen etwas faden Geschmack hinterlässt auch die Tatsache, dass die Studie ausgerechnet von Mercedes in Auftrag gegeben wurde. Ich habe eine etwas andere Meinung dazu und habe das hier und hier ja schon mal geschrieben.

Handstern oder Griff ins Klo?

Jörg Maschke stellt im MB-Oldtimer Newsticker den Handstern vor. Das ist keine verwegene Idee, das ist ist auch nicht „Chaka“. Das ist einfach nur unecht, nachgemacht, gewollt und nicht gekonnt so wie Sprayer Tags außerhalb von South Central LA, Bronx  oder Brooklyn oder auch so wie Jugendliche in einem beliebigen Vorort on Kiel, die sich anziehen wie Ghetto Kids.

Leute, lasst den anderen doch ihre Identität und sucht Euch eine eigene. Das habt ihr doch gar nicht nötig. Von mir gibt’s für den „Handstern“ nur den linken Zeigefinger an die Stirn getippt. – Daumen runter für den Gruß unter Mercedes-Fahrern!