Lederreiniger selbst herstellen

Lederreinigung

Die Pflege und Reinigung von Leder – speziell auch von Autoleder – ist keine Wissenschaft, hat aber dennoch mit viel Erfahrung zu tun. Vor allem muss man im Vorfeld abschätzen können, welche Materialien wie mit dem jeweiligen Reinigungsmittel reagieren. Bleibt die Farbe erhalten oder wechselt ein rot-Ton ins Orange? (Anmerkung: Speziell rote Farben sind immer etwas schwierig…) Kann man brüchiges Leder wieder geschmeidig machen? Kann man diese oder jene Verfärbung noch entfernen?

Ein einfach zu handhabendes, wirksames, aber leider auch etwas teures Reinigungsmittel ist der Colourlock Lederreiniger. Die Preise beginnen je nach Lieferant bei ca. 30 EUR für einen Liter plus Versandkosten. Kleinere Gebinde sind auch verfügbar, kosten aber nicht wesentlich weniger.

Doch was ist so ein Lederreiniger und was kann der? Dazu muss man zuerst verstehen, was Leder ist: Totes Zellgewebe eines Tieres – im häufigsten Fall vom Rind. Diese ehemalige Haut des Rindes wurde zu Lebzeiten über Talgdrüsen mit Nährmitteln versorgt und durch natürlichen Abrieb und einfaches Waschen sauber gehalten. In seiner verarbeiteten Form müssen wir das Leder von außen pflegen und reinigen. Auch der Schmutz wird nicht mehr aus Wiesenabrieb, Staub, Lehm und anderen Dingen aus dem Leben einer Kuh bestehen. Vielmehr haben wir es mit Abfärbungen von Kleidung, Handschmutz, Kosmetikrückständen, Essensresten, Klebstoffen, Zucker, Schweiß und all dem zu tun, was sonst noch in einem Auto passiert.

Der Colourlock Lederreiniger von der Lederzentrum GmbH wird mit folgenden Inhaltsstoffen gemäß INCI (internationale Bezeichnung für Kosmetikinhaltsstoffe)angegeben: Potassium Tallowate, Potassium Cocoate, Alcohol, Sucrose, Glycerin, Aqua, Citric Acid. Die meisten seifenartigen Lederreiniger sind ähnlich zusammengesetzt.

Und was können diese Stoffe jetzt?

Potassium Tallowate: Kaliumsalz, das in der Industrie überwiegend aus Rindertalg hergestellt wird. Als emulgierendes Tensid fördert es die Mischung ansonsten nicht mischbarer Flüssigkeiten durch Änderung ihrer Grenzflächenspannung. Es verringert die Grenzflächenspannung von Reinigungsmitteln und trägt zu einer gleichmäßigen Verteilung bei der Anwendung bei.

Potassium Cocoate: Das Kokosfettsäurekaliumsalz ist eine typische Base für viele Seifen, Shampoos und Reinigungsmittel.

Alcohol: Alkohol oder Isopropyl ist ein Denaturierer, was bedeutet, dass er die Struktur anderer Chemikalien modifizieren kann. Er wird als Lösungsmittel in Haartönungen, Körpercremes, Handlotionen, Aftershaves und Duftstoffen verwendet. Alkohol entfettet und verursacht gelegentlich Risse in der Hautoberfläche.

Sucrose: Saccharose, Rohrzucker, Rübenzucker, Saccharin – ist ein einfacher aber wirksamer Pflegestoff für Haut und Leder. Glättet im trockenen Zustand die Oberfläche und verschließt damit offene Poren.

Glycerin: Eine sirupartige, chemische Verbindung von Wasser und Fett. Glycerin kommt als Lösemittel und als Weichmacher zum Einsatz. Glycerin zieht Feuchtigkeit an die Hautoberfläche und hält sie dort, sofern die Luftfeuchtigkeit über 65% liegt. In Verbindung mit anderen Fetten macht Glycerin sprödes Leder wieder etwas geschmeidiger.

Aqua: Ist üblicherweise destilliertes oder denaturiertes Wasser, das nur mehr Flüssigkeit in das Waschkonzentart bringt, damit man es besser verteilen und verarbeiten kann.

Citric Acid: Zitronensäure ist ein Lösungsmittel für kalkhaltige Beläge, weniger aggresiv  und auch angenehmer im Duft als Essigsäure. Zitronensäure reagiert mit metallischen Komplexen und Chelaten und kann somit bestimmte Verfärbungen ändern. Zudem wirkt Zitronensäure als Konservierungsstoff, so dass die Waschmittel bei längerer Lagerung nicht schlecht werden.

Jetzt könnte man auf die Idee kommen, diese Chemikalien einzeln und günstig im Versandhandel zu bestellen, mit etwas Experimentierfreude zu mischen und schon hat man große Mengen eines wunderbaren Lederreinigungsmittels. Das ist auch gar nicht so falsch, jedoch nur dann sinnvoll, wenn man hauptberuflich in die Lederreinigung oder in den Vertrieb solcher Mittel einsteigen will. Für die komplette Leder-Reinigung eines Fahrzeuginnenraums genügen 50 bis 100ml des Waschmittels. Viel einfacher geht es mit günstigen und gemäß Inhaltsstoffen sehr ähnlichen Produkten aus der Kosmetikindustrie. Ein solches ist zum Beispiel Palmolive Rasiercreme Classic, 1er Pack (1 x 100 ml). Das gibt es für rund einen Euro im Versand oder beim Drogeriemarkt an der Ecke. Die Seife aus der Tube wird mit einer 1:1 Mischung von Reinigungsalkohol und Wasser nach belieben verdünnt und ist dann gebrauchtsfertig. Die Kosten pro Liter anwendbarer Flüssigkeit liegen dann bei ca. fünf Euro. Der Auftrag erfolgt mit einem Schwamm oder Tuch und nach der intensiven Reinigung sollte das Leder wieder versiegelt und gepflegt werden.

Sitzbezüge: Ist es Leder oder Kunststoff?

Leder gilt immer immer noch als das hochwertigste aller Bezugsmaterialien für den Fahrzeuginneraum. Leider muss man feststellen, dass inbesondere bei Fahrzeugen, die von den Herstellern als Voll-Lederausstattung beworben und verkauft werden immer weniger Leder zum Einsatz kommt. Dies ist weniger ein kleiner Fauxpas als vielmehr eine marketinggetriebene Epedemie.

Das Kleingedruckte von Hyundai definiert Leder folgerndermaßen (deutschsprachige Übersetzung aus dem amerikanischen Katalog): “Oberflächen die als Leder spezifiziert sind, können Teile von echtem Leder, Polyuretanleder oder eine Kombination von beidem enthalten.“

Aber diese Praxis ist nicht nur auf asiatische Konsummarken beschränkt, auch die vermeintlich hochwertigen Marken BMW, Mercedes Benz und Audi setzen zunehmend auf die Verarbeitung von Kunstprodukten wie synthetisches Vinyl. Honda macht folgende Einschränkung: „non-leather is used on selected high impact areas“. Tatsächlich sind die „high-impact areas“ eher die weniger genau angeschauten Stellen wie Sitzrückwand im Fond, Kopfstützen und untere sowie seitliche Sitzbezüge.

Nun ist der Kunststoff aus einem halben Meter Entfernung für den Laien auch nur schwierig von echtem Leder zu unterscheiden und zudem oft strapazierfähiger und im Alltag weniger pflegebedürtig. Wie auch immer – es ist nicht das, was der Kunde wollte und wofür er bezahlt hat. Denn hauptsächlich Kostengründe sind es, die den Autohersteller zu der Verarbeitung von Kunstleder verleiten. Zudem soll es vor allem den günstigeren Fahrzeugen den Anschein geben, sich wie ein Premiumfahrzeug anzufühlen.

Nachfolgend zwei YouTube-Filme, die die Herstellung von Kunstleder und echtem Leder zeigen. Dabei wird schnell klar, dass echtes Leder ein Naturprodukt ist, dessen Verarbeitung ungleich aufwändiger und damit auch teurer ist. Zudem ist bei echtem Leder zwangsläufig mit mehr Verschnitt je Quadratmeter zu rechnen.

 

Die industrielle Herstellung von Kunstleder (englisch)

Die Verarbeitung von Rinderhäuten zu Leder (englisch)