Einfach mal Nachschauen und vielleicht Ersetzen

Viele Autofahrer ahnen bestenfalls, wo in ihrem Fahrzeug Verbandkasten und Warndreieck liegen. Unter der Heckklappe? In der Mittelarmlehne? Beim Reserverad? Benutzt haben sie diese Dinge nie, der letzte Ersthelferkurs liegt Jahre zurück und im Zweifel wäre es vielleicht besser, das Verbandzeug dort zu lassen, wo es ist und stattdessen schnell mit dem Telefon professionelle Hilfe zu rufen. Nicht nur weil der potentielle Helfer überfordert ist, sondern auch weil das Verbandzeug komplett überaltert ist.

Für Verbandkästen gibt es kein H-Kennzeichen!

Nun schreibt der § 35 StVZO vor, dass ein Verbandkasten mitzuführen ist – ebenso wie ein Warndreieck und eine Warnweste. Wer keinen Verbandkasten mitführt, riskiert ein Verwarnungsgeld von € 5,- und bei der HU einen Mangel. Die Füllung des Verbandkastens hat ein Verfallsdatum. Wer mit seinem Oldtimer oder Youngtimer immer noch die Originalbefüllung seit Fahrzeugauslieferung mitführt, hat höchstwahrscheinlich brüchige Baumwolltücher, poröse Wundauflagen und Pflaster im Gepäck, die niemals kleben. Selbst vor Ablauf des Verfalldatums kann das Verbandzeug unbrauchbar werden. Dazu genügt ein Stellplatzin praller Sommersonne und Wageninnentemperaturen über 90°C.

Neue Vorschrift zur Befüllung

Seit Jahresbeginn 2014 gilt für Verbandkästen eine geänderte Norm. Die bisherigen Kästen dürfen nur noch bis Jahresende verkauft werden und deshalb gibt es jetzt eine Menge Restposten als Sonderangebote in Handel. Bis zum Ende des Verfalldatums können und dürfen diese Kästen auch weiterhin genutzt werden.

Gegenüber DIN 13164 (Stand: Januar 1998) wurden die Befüllung neueren medizinischen Erkenntnissen angepasst

Neu aufgenommen wurde:
– 1 14-teiliges Fertigpflasterset
– 1 Verbandpäckchen K
– 2 Feuchttücher zur Hautreinigung
Es entfallen:
– 1 Verbandpäckchen M
– 1 Verbandtuch BR
– 4 Stück Wundschnellverband 10 x 6
– die Verwendung von Mullbinden als Alternative für Fixierbinden

GTÜ: Unterschiedlicher Zustand bei Youngtimer und Oldtimer

Pünktlich zur „Retro Classics“ in Stuttgart stellt der GTÜ seine Mängelstatistik des Jahres 2013 vor. Darin wird deutlich, dass ältere Fahrzeuge in besserem Zustand sind als etwas jüngere Gebrauchtwagen. Bei den sogenannten Youngtimern und jungen Oldtimern wird dies besonders deutlich. Ab einem Alter von ca. 25 Jahren wird das Fahrzeug zunehmend zum Liebhaberstück und der Zustand bessert sich dann über die Jahre merklich.

Die Zahl der Oldtimer nimmt von Jahr zu Jahr weiter zu: Nie zuvor fuhren mehr Fahrzeuge mit H-Kennzeichen auf den Straßen in Deutschland. Derzeit sind es mehr als 314.000 Fahrezeuge. Jedes Jahr wächst der Bestand um rund zehn Prozent.

Datenquelle: GTÜ, Grafik: Youngtimer Garage.

 

Mit Erreichen des Oldtimeralters sinkt die Zahl der Fahrzeuge mit Mängeln unter 50 Prozent. Mit geringen Mängeln sind rund 28 Prozent der Klassiker unterwegs. Mit erheblichen Mängeln  19 Prozent. 53 Prozent absolvieren die Hauptuntersuchung ohne Mangel.

Mit Erreichen des Oldtimeralters sinkt die Zahl der Fahrzeuge mit Mängeln: Mit geringen Mängeln sind rund 28 Prozent der Klassiker unterwegs. Mit erheblichen Mängeln 19 Prozent. 53 Prozent absolvieren die Hauptuntersuchung ohne Mangel.

 

Wegfall der Rückdatierung der HU-Plakette

Wenn man sich heute Pressemitteilungen aus dem Herbst 2011 anschaut (zum Beispiel hier oder hier), macht sich ähnlich wie bei der Lachnummer Wechselkennzeichen Enttäuschung breit. Damals noch hieß es, die unsinnige Rückdatierung der Plakette bei überzogener Frist zur Hauptuntersuchung bei TÜV, Dekra, GTÜ und ähnlichen würde zum April 2012 abgeschafft. Seit Dezember 1999 führt eine verspätet durchgeführte HU dazu, dass die Frist für die nächste HU mit dem Monat der Fälligkeit der letzten HU beginnt. Dabei ist diese Regelung nicht einheitlich in den verschiedenen Bundesländern umgesetzt: So ist die Rückdatierung in Hessen und im Saarland faktisch abgeschafft. Auch in Bayern gibt es Ausnahmen von der Rückdatierung, wenn der Termin für die Hauptuntersuchung sehr lange überzogen wurde. Im Extremfall fährt man bei uns mit einem Fahrzeug beim Prüfer vor, dass seit 100 Wochen überfällig ist. Dann bekommt man eine Untersuchung und bei positivem Befund auch eine Plakette, die aber in etwas weniger als einem Monat wieder abläuft. Oder man bezahlt gleich die doppelten Prüfgebühren für eine Prüfung und kommt dann erst in zwei Jahren wieder.

 

Das ist natürlich völliger Quatsch und nach über 13 Jahren sieht das der Gesetzgeber auch so. Die Reform sieht folgendes vor: Gegen eine höhere Gebühr – wegen der Mehrarbeit des Prüfers bei einem überfälligen Fahrzeug (hahaha…) – ist die neu erteilte Plakette immer 2 Jahre gültig. Aber die geplante Reform der Hauptuntersuchung (HU) verzögert sich und wird doch nicht wie vorgesehen diesen April umgesetzt. Einer Pressemeldung des TÜV Süd zufolge gibt es bei der Novellierung der Straßenverkehrs-zulassungsordnung (StVZO) auf Ebene der Bundesländer weitergehenden Beratungsbedarf. Nun heißt es, die Neuerungen treten am 1. Juli 2012 in Kraft. Es bleibt nur noch abzuwarten und zu hoffen, dass dies am Ende nicht so ein Desaster wird wie das Wechselkennzeichen. Und ich fahre jetzt den seit Oktober überfälligen R107 nach seiner Winterpause zum TÜV, denn die Sonne ruft heute und nicht erst im Juli.

Zulassung eines Importfahrzeugs als Oldtimer

Der Import eines Fahrzeugs aus England ist hier beschrieben. Nun folgt die Beschreibung des langen Wegs zur Zulassung.

Die benötigten Unterlagen und Dokumente

In Großbritannien wurde uns mit dem Auto auch ein halbes V5C Dokument übergeben. Die andere Hälfte hat der Verkäufer an das DLVA geschickt, um den Verkauf zu bestätigen. Da ich als Käufer meine vollständige Adresse in das Formblatt eingetragen hatte, kam nach etwa 6 Wochen auch die zweite Hälfte per Briefpost wieder zu mir zurück mit bestem Gruß des zuständigen Sachbearbeiters beim DLVA. Doch dies reicht allein noch nicht für eine Zulassung in Deutschland aus. Die Zeit konnte ich nutzen, um ein erforderliches Datenblatt zu besorgen. Für neuere Fahrzeuge ist dies ein COC, doch dieses gibt es nicht für Oldtimer. In wenigen Fälle soll es helfen, in User-Foren nach Fahrzeugbriefen des gleichen Typs zu Fragen. Die Vertragshändler bieten für Oldtimer eher weniger Unterstützung. Auf der ganz sicheren Seite ist, wer sich ein Datenblatt vom TÜV Süd anfordert, dies erleichtert dann die Vollabnahme. Der TÜV Süd hat eine umfassende Datenbank von Oldtimerdatenblättern zusammen gestellt und verschickt diese nach formloser Anfrage per Nachnahme.

 

Die Umbauten

Im Verlauf der benötigen Vollabnahme mit Oldtimergutachten (letzteres ist wichtig, um nicht nur eine Zulassung, sondern auch ein H-Kennzeichen zu erhalten) wird in jedem Fall auch eine HU durchgeführt. Wenn der Wagen also nicht vollkommen OK ist, kann man die Wartezeit damit verbringen, das Fahrzeug herzurichten. Im Fall eines Englandimports müssen schon mal die Scheinwerfer umgerüstet werden, damit diese nicht in den Gegenverkehr leuchten. Bei mir musste zudem auch noch eine Warnblinkanlage nachgerüstet werden, denn es war keine vorhanden. Darüber hinaus musste ich feststellen, dass mein Oldie zwar erst vor 2 Monaten in England neue MOT ohne Beanstandung erhalten hat, aber die Herren vom TÜV Rheinland sind weitaus weniger kulant als deren Kollegen auf der Insel. Daher musste auch noch die Bremsanlage, Radnaben, Achskugeln und ein Teil des Rahmens überarbeitet werden. Auch die prima Anhängerkupplung funktionerte zwar, hatte aber keine Nummer, mit der man eine Betriebserlaubnis bekommen hätte. Also wurde auch hier eine neue fällig.

 

Die Versicherung

Mit dem Datenblatt oder den Unterlagen der Vollabnahme sowie dem Oldtimergutachten geht man zur Versicherung und lässt sich dort bei Vertragsunterzeichnung die Versicherungsnummer für die Zulassung nennen. Die Versicherungen wollen einem immer auch eine Kasko andrehen, in meinem speziellen Fall halte ich das aber für unnötig und daher wird auch kein Wertguachten für den Oldtimer benötigt. Ich habe mich für die ADAC-ClassicCar-Versicherung entschieden, weil sie in meinem Fall am günstigsten erschien. In Abhängigkeit von Fahrzeugalter, -wert und sonstigem Versicherungspaket mag es andere Kombinationen geben, aber das kann ich ein andermal ausführlicher beschreiben.

 

Die Zulassungsbehörde

Wie schon weiter oben beschrieben, behandele ich hier als Beispiel die Zulassung eines selbst importierten Fahrzeugs als Oldtimer. Das bedeutet, man benötigt viiiieeel Zeit beim Amtsschimmel  (genau genommen waren es bei mir 5 Stunden verteilt auf zwei Tage) und viele Dokumente. Wer für sich selbst oder für die Komplettierung Fahrzeugunterlagen eine möglichst umfangreiche Dokumentensammlung anstrebt, sollte sich vor dem Weg zur Behörde Kopien erstellen, denn danach sind einige weg. Die bleiben im Amt. Dazu gehört zum Beispiel das Original der Zulassung aus dem Ausland, das Gutachten vom TÜV zur Erlangung der Betriebserlaubnis nach §21 StVZO sowie einzelne Gutachten zur Betriebserlaubnis, sofern diese im Fahrzeugschein eingetragen werden.
Sehr wichtig scheint auch das Vorhandensein eines Kaufvertrages in deutscher Sprache zu sein. Der Inhalt allerdings weniger. Es wurde bei mir nur festgestellt, dass der Verkäufer auch der Vorbesitzer war und ich der Käufer. Theoretisch hätte der Kaufvertrag auch gebrauchte Kodak-Farbfilme von 1987 zum Gegenstand machen können. Da mein Land Rover in England gekauft wurde, handelt es sich um einen EU-Import. Für Importe aus dem Nicht-EU-Ausland muss man noch die Zollbescheinigungen vorzeigen.
Selbstverständlich benötigt man darüber hinaus noch die Nachweise einer positiven HU (bei mir „ohne festgestellte Mängel“), Abgasprüfung (was prüft man bei einem Land Rover Diesel aus den 70ern? Ob da überhaupt etwas hinten raus kommt?), Oldtimerbegutachtung nach §23 StVZO und Versicherungsnachweis.

 

Das Nummernschild

Speziell Fahrzeuge aus dem Ausland haben oft Nummernschildhalterungen, die das Anbringen von normalen Kennzeichen schwer machen. Normal bedeutet in Köln übrigens ein vorgestelltes K, dann zwei Buchstaben gefolgt von einer vierstelligen Zahl plus H am Ende. Damit wird der Platz auf dem Schild ganz schön eng. Wer mit dem Auto nicht bei der Zulassungstelle persönlich vorfahren kann (und das wird der Normalfall sein, denn der Oldtimer ist ja eben noch nicht zugelassen), sollte den maximalen Platz vorher ausmessen und mit Foto dokumentieren. Noch besser ist ein entsprechendes Gutachten bezüglich der maximalen Kennzeichengröße vom TÜV. Sonst bekommt ihr trotz vehementer Hinweise und unterwürfigstem Bitten ein überdimensionales Kuchenblech als Nummernschild und dürft dann so wie ich noch einmal zur persönlichen Überprüfung durch den Diensstellenleiter vorfahren, um ein kleines und dann auch passendes Schild zu bekommen.

Mit dem Oldtimer zur HU – fast wie Neuwagen

Für jeden Autobesitzer ist der zweijährige Pflichttermin bei TÜV, Dekra oder GTÜ keine erfreuliche Veranstaltung. Wer nicht gerade ein brandneues Fahrzeug hat, muss befürchten, dass Mängel gefunden werden, die eine Nachbesserung und Neuvorstellung zur HU erforderlich machen. Neben den Kosten ist dies auch immer mit einigem Zeitaufwand verbunden.

Besitzer von neueren Alltagsautos verbinden diese lästige Aufgabe meist mit der sowieso fälligen Inspektion in der Vetragswerkstatt. Je älter die Fahrzeuge werden, desto mehr kann kaputt gehen. Und an der Jahresinspektion wird irgendwann auch noch gespart. Weil aber gerade die Fahrzeuge mit einem Alter ab 10 Jahren von sparsameren Haltern bewegt werden, entsteht mitunter erheblicher Wartungsstau, denn repariert wird nur noch, was definitiv kaputt und nötig ist. Mit kleineren Mängeln findet man sich einfach ab.

Prüfer neben Mercedes, Quelle: www.gtue-oldtimerservice.de

Prüfer neben Mercedes, Quelle: www.gtue-oldtimerservice.de

Jetzt könnte man meinen, dass besonders alte Fahrzeuge auch besonders viele Schwächen aufweisen. Das Gegenteil ist aber der Fall. Der GTÜ stellte nun fest (hier der vollständige Bericht) , dass Oldtimer weit besser abschneiden als Youngtimer, sprich weniger häufig kleine oder große Mängel aufweisen. Der Grund liegt auf der Hand: Unter den sogenannten Youngtimern befinden sich häufig eben keine Liebhaberstücke, sondern nur noch bemitleidenswerte Rostlauben. Bei den Fahrzeugen ab 30 Jahren, will man für das günstige H-Kennzeichen auch einen „erhaltungswürdigen Zustand“ sehen. Zudem sind die Besitzer meist etwas älter, wohlhabender und nicht zuletzt auch erfahrener und respektvoller in Bezug auf die bewegte Technik.

Der Grund für den guten Zustand der historischen Fahrzeuge ist also in erster Linie die regelmäßige Pflege und Wartung. Mängel an Reifen und Bremsen finden sich bei Oldtimern kaum. So ist es nicht weiter erstaunlich, dass die Klassiker mit H-Kennzeichen bei erheblichen Mängeln auf dem Niveau der 1 bis 5 Jahre alten Fahrzeuge in der GTÜ-Mängelstatistik liegen.

Mängelquoten nach Fahrzeugalter

Mängelquoten nach Fahrzeugalter