Keine Youngtimer in Schottland?

Zuletzt war es ein wenig ruhig hier auf den Seiten der Yountimer Garage. Was daran lag, dass ich zum Urlaub in Schottland war. Am besten kann man das Land mit dem Auto kennen lernen, denn Busse und Bahnen sind vorhanden, bringen einen aber nicht oder nur sehr selten an die wirklich schönen Orte. Einige verwegene Gestalten glaubten, man könne die Highlands mit dem Fahrrad bezwingen. Ich habe diese Menschen gesehen – sie sahen nicht glücklich aus!

Andere bevorzugten das Motorrad, was hinsichtlich Reisegepäck und Geschwindigkeit die eindeutig bessere Zweiradwahl war. Zumal das Befahren der kleinen, geschwungenen Single Track Roads mit einem leichten Motorrad bestimmt Laune macht. Allerdings verabschiedet sich im September der Sommer langsam und die Witterung ist auf den britschen Inseln bekanntlich nicht immer die beste. Der erfahrene Biker wird jetzt erwidern, es gäbe kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Dem stimme ich zu: Die beste Kleidung bei Wind und Regen ist ein dichtes Blechkleid mit vier Rädern.

Ein 88er Land Rover Serie III in ziemlich bedauernswertem Zustand auf dem Weg nach Applecross.

Nun hätte ich die Insel stilecht mit meinem eigenen Land Rover besuchen können. Aber dann hätten An- und Abreise mit der Fähre über Amsterdam jeweils einen vollen Urlaubstag gefressen. Also sind wir am Flughafen in einen Mietwagen eingestiegen. Es war ein Kia Picanto und der war für unsere Zwecke gar nicht mal so schlecht (Detailbericht hier). Dann fuhren wir in unserer geliehenen Dosierkugel durch die Lande und ich hielt weiterhin Ausschau nach Youngtimern. Und was soll ich sagen? Es gibt keine Youngtimer in Schottland! Null nix nada.

Ich hätte mit einigen alten Ford Granada gerechnet, mit einem Vauxhall Cavalier (bei uns als Opel Ascona bekannt) oder einigen alten Mercedes. Aber ich hatte mich getäuscht. Einzig ein ziemlich runter gekommener Land Rover stand einsam im Gebüsch. Wie kann das sein? Echte Oldtimer – die dort Classic Cars genannt werden – gab es genug. Immer wieder kam uns eine Rally mit erstaunlich gut gepflegten Oldtimern entgegen oder einige Fahrzeuge kamen zu einer Miniausstellung zusammen. So zum Beispiel die Sammlung alter Taxis in Edinburgh (siehe unten). Aber Youngtimer oder Vintage Cars, die momentan auf halbem Weg zum Oldtimer sind, gab es keine.

Hier erkennt man am Beispiel eines Hilux TD sehr deutlich, was schottischer Wind, Regen und Meerwasser mit der Karosserie von nicht ganz so alten Autos macht.

Nun hilft das schottische Seewetter der Karosse von rund 30 Jahre alten Fahrzeugen auch nicht besonders gut bei der Konservierung. Der hintere Radlauf eines Hilux auf dem Parkplatz von einem kleinen Fischerort zeigt dies deutlich. Und die jährliche Vorführung zur Untersuchung (MOT) mag das vorzeitige Ende für viele Fahrzeuge bedeutet haben. Das Rätsels eigentliche Lösung lautet aber Scrappage. Mitte 2009 eingeführt und bis zum März 2010 betrieben, zahlte man für mindetstens 10 Jahre alte Autos 2000 Pfund (das sind heute rund 2400 Euro) für die Verschrottung als Abwrackprämie. Wo bei uns aber noch etliche Schätze erhalten blieben, wurde auf der britischen Insel offensichtlich alles in Ford Ka und Toyota Yaris und Kia cee´d reinvestiert. Daher gibt es nun von mir nur noch ein paar Bilder mit Funden wirklich alter Autos.

 

 

 

 


 

Eine Galerie verschiedener Wegfunde in Schottland. Ich bin mir nicht 100% sicher, was wir hier sehen, werfe aber mal die Marken Lagonda, MG, Rolls Royce und TVR in den Raum. Um sachdienliche Hinweise wird gebeten.

 


Außerdem eine Sammlung historischer britischer Taxis, die in der Fußgängerzone von Edinburgh ausgestellt waren. Wer erkennt hier die Modelle? Die meisten Droschken waren von Austin.

 

 

 

Audi 90 – Legende zu Lebzeiten (Teil 2)

Kurze Geschichte

Der Audi 90 war immer die Luxusvariante des Audi 80. Was der Kunde beim 80er teuer dazu bestellen musste, war beim 90er meist schon drin. Der Audi 90 wurde im Gegensatz zum Audi 80 nur mit Fünfzylinder-Reihenmotoren ausgeliefert. Äußerlich gab es wenig Unterschiede: Chrom oder Nirosta-Zierleisten auf den Stoßstangen und in den Türschutzleisten, in Wagenfarbe lackierte Außenspiegel sowie eine ganz leicht veränderte Front weisen bei genauerem Hinsehen auf das höherwertige Paket hin.
Die Produktion des Audi 90 wurde nach der Modellpflege des Audi B3 im Jahr 1991 eingestellt. Damit sind alle Audi 90 dieses Jahr Twens und nach allgemeiner Definition offiziell als Youngtimer zu werten.

Tagesaktuelle Statistik bei mobile.de

82.834 Fahrzeuge der Marke Audi, davon
1099 Modelle 80 und nur
65 Modelle 90 davon wiederum
43 der Bauart B3/Typ 89 davon
20 mit quattro (Allrad) Antrieb – das ist verdammt wenig.
Die meisten Fahrzeuge haben den 2,3 Liter Motor (Kennbuchstabe NG) verbaut.

Zum Vergleich:
Es stehen zeitgleich immerhin
130 Ford Mustang Convertible bis Baujahr 1975 oder
131 Jaguar E-Type oder
134 Mercedes SL (Pagode) bei mobile.de im Angebot.

Trotz dieses geringen Vorkommens ist die Ersatzteillage außerordentlich erfreulich.
Das liegt zum einen an der nahen Verwandschaft zum Audi 80. Zum anderen sind durch Abwrackprämie 2009 viele Schwestern und Brüder der letzten verbliebenen Exemplare bei den Verwertern gelandet.

Weiterführende Links:

http://www.autoplenum.de/Auto/AUDI/90
http://www.auto-motor-und-sport.de/audi-90-92.html
http://www.autotest.de/tests/Audi/90/B3
http://www.motor-talk.de/auto/audi/90

Audi 90 – Legende zu Lebzeiten (Teil 1)

Der Unwissende wird in ihm nur einen „alten Audi“ sehen.
Die meisten werden den Wagen mit einem der vielen Audi 80 auf unseren Straßen verwechseln.
Tatsächlich ist der Audi 90 für Kenner etwas ganz besonderes. Verdächtig häufig wird in einschlägigen Foren der Sound des unverwüstlichten 5 Zylinders gepriesen. Wer zudem noch einen Audi 90 Quattro stehen hat, dessen Wagen hat die Talsohle des Wertverlustes inzwischen durchschritten. Die Preise ziehen ganz langsam wieder an. Ein Grund dafür war sicher die Abwrackpräme 2009, die viele Artgenossen dahingerafft hat. Auf der anderen Seite machten Steuer und Versicherung mal wieder mächtig schlechte Laune.

Audi 90 Typ 89

Roter Audi 90 Typ 89 – nicht meiner, aber sehr ähnlich.

Mein roter Audi 90 Typ 89 war zugleich auch mein erstes vollständig eigenfinanziertes und ganz allein gekauftes Auto, die Vorgänger waren alle irgendwie geerbt oder ausgeliehen oder sonstwas. Gekauft wurde er mit 50 tkm im Münsterland. Vorbesitzer waren laut Brief insgesamt 3 Opas, die sämtlich schon die 70 hinter sich gelassen hatten. Auf Dienstfahrten und Reisen leistete der Audi immer gute Dienste und unvergessen blieb mir die Rückfahrt von Kroatien mit defekter Kupplung durch die Alpen (der vierte Gang ging noch). Irgendwann Mitte der letzten Dekade wollte ich aber einen anderen, moderneren Wagen mit Klimanalage, Seitenairbags, CD-Wechsler und Kram haben. Und weil der 90er damals nur wenig Restwert hatte, verlieh ich ihn im Freundeskreis. Damit ersparte ich mir den Unterhalt in den Folgejahren und letztlich will so ein Auto auch mal bewegt werden.

Mehr oder weniger unerwartet kam der Rote nun aber wieder zu mir zurück. Ich gewährte ihm Unterschlupf im abgemeldeten Zustand und bin seitdem dabei, wieder optisch und technisch an alte Zeiten anzuknüpfen. Inzwischen sind die Radkappen wieder vollzählig, alle Bremsen vollständig ausgewechselt, die Radlager erneuert, Innenraum und Lack gereinigt, einige Dichtungen ersetzt, Leisten und diverse Gummiteile erneuert, … Es steht noch aus: Ölwechsel, Zahnriemenwechsel, kleiner Service, ein wenig Smart-Repair.

Und dann? Ich weiß es nicht. Zum Rumstehen ist er zu schade, zum Verkauf noch zu sehr von Konkurrenten bedrängt. Abwarten…