Youngtimer Garage dust in the wind Sandstrahlen Köln
Youngtimer Garage: Für Fahrer und Schrauber von Fahrzeugen aus den 60er, 70er und 80er Jahren
Ein bemerkenswerter Kunde
Categories: Mercedes

Aus diversen Gründen der juristischen Absicherung sind die Beiträge der Youngtimer Garage momentan etwas spärlich. Das hindert mich aber nicht, den einen oder anderen Gastbeitrag zu veröffentlichen. Heute ein Bericht von http://www.ihrwunscholdtimerbauer.de

Ein bemerkenswerter Kunde

Ende 2011 rief mich ein heutiger Kunde an, und erzählte mir, dass er den 240 D Automatik von seinem Vater geerbt habe und er gerne ein H-Kennzeichen hätte. Er meinte, das Auto habe schon ein Jahr keinen Tüv mehr und es wäre sinnvoll, wenn er erst damit zum Tüv fahren und eine Mängelliste holen würde. Ich sagte, dass das nicht nötig sei, aber er wollte es so, er würde sich danach bei mir melden.

Ein paar Tage später rief er mich an, und war sehr niedergeschlagen, da ihm bei der Hauptuntersuchung der Benz stillgeleg wurde und das Auto nun nicht fahrbereit auf dem Betriebsgelände stand. Ich holte das Auto mit Hänger ab und Inspizierte ihn dann in der Werkstatt auf der Bühne. Was sich mir bot, war von außen größtenteils sehr schön, aber alles was man von Außen nicht sah war das schiere Grauen! Bremsleitungen und Dieselleitungen an diversen Stellen durchgerostet (Flüssigkeit tritt aus), Bremsanlage Abfahrgrenze erreicht, Auspuffanlage um, Stoßdämpfer teilweise (schon wieder) trocken und ohne Funktion, zwei Federbrüche, zwei Radlager um. Zu dieser Liste kamen dann noch diverse Kleinigkeiten in der Elektrik und von innen durchgefaulte Türen und Hauben dazu.

Nun, wir sprechen hier von einem 1982er W123 mit „Buchhalterausstattung“ (kein kein kein) und 345000Km auf der Uhr. Die beschriebene  Liste allein wäre normalerweise schon ein „Exporturteil“. Jetzt aber kommen wir zum eigentlichem Problem des Wagens: Der Unterboden bestand zu weiten Teilen aus „Dreischichtreparaturblech“ mit Nieten und Schraubenanteilen. Ich konnte den Prüfer durchaus verstehen, dass er diesen Wagen stillgelegt hat. Und was fragt der Kunde (Familienvater, 2 Kinder, Angestellter): „Wieviel kostet das? Mit H-Abnahme!“ Ich sage: „Kann ich auf Anhieb nicht schätzen, aber es geht in die Tausende“ – Darauf er: Muss ich mit der Familie abklären.

Zwei Tage später steht die ganze Familie bei mir auf der Matte und erklärt, dass sie zusammen 2000.-Euro (Urlaubsgeld und Sparbuch) haben und die Kinder auch noch 500.- Euro Erspartes dazu tun könnten. Der Kunde fragt an, ob er den Rest abstottern könnte. Opas alter Benz soll laut Familienrat auf jeden Fall ein H-Kennzeichen bekommen und im Alltag laufen und der BMW 520i soll lieber in den Export kommen. Bemerkenswert! Sicherheiten hat die Familie nicht, aber sie sind alle 4 einfach so nett, dass ich nicht anders konnte als ihnen den Wunsch zu erfüllen und dem Benz ein H-Kennzeichen zu verpassen. Mitte März 2012 war es dann so weit: Der Benz ist mit H wieder angemeldet und die ganze Familie strahlt, selbst die 13jährige Tochter (der ist echt cool ey).

Jetzt nach 2 Jahren hat er gerade wieder neue Plakette, die Monatsraten für die Restaurierung kommen immer pünktlich und alle sind glücklich und zufrieden.
Wie kaputte Technik aussieht kennt jeder, darum beschränke ich mich auf 6 Fotos der Unterbodenrestauration zum Ausmaß der Schweißarbeiten.

Wolfgang Sommer, Restaurator

 

Schreibe eine Antwort