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Youngtimer Garage: Für Fahrer und Schrauber von Fahrzeugen aus den 60er, 70er und 80er Jahren
Die Reifen und Räder Bibel
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Reifen eines TransAm Bildquelle: siehe Fußnote 1

Hast Du Ahnung von Reifen? Kennst Du bei Deinen Reifen Radius und Querschnitt? Der nachfolgende Text soll für ein wenig Klarheit sorgen und das nächste Mal weißt Du Bescheid, bevor Du neue Reifen kaufst.

Was steht auf der Seite des Reifens?

Verwirrend nicht war? Diese ganzen Zahlen, Buchstaben, Codes. Tatsächlich ist das meiste davon mehr als man eigentlich wissen muss, aber hier der wichtige Teil. Das Bild unten zeigt schematisch einen Reifen mit den heute üblichen Beschriftungen. Je nach Hersteller können diese Abweichen und durch diverse Prüfzeichen und sonstige Symbole ergänzt sein.

A – Herstellername oder Marke und Produktbezeichnung

B – Reifengröße sowie Geschwindigkeitsindex. Tubeless bezeichnet Reifen ohne Schlauch. DIN-gerechte Markierungen verschlüsseln auch den Lastindex von 50 bis 169 (also 190 kg bis 5800 kg).

C – Beschreibt die Reifenkonstruktionsart

D – M&S steht für Matsch und Schnee, kennzeichnet also die sogenannten Ganzjahres– oder Winterreifen

E – Gibt den maximalen Reifendruck an

F – ECE (nicht EEC) typische Prüfnummer

G – Vom North American Department of Transportation vorgeschriebene Symbole und Indentifikationsnummern
H – Herkunftsland

DOT Codes

Die DOT Information beinhaltet auch einen zwei Buchstaben Code, der angibt, wo der Reifen hergestellt wurde. Mit anderen Worten, aus welcher Fabrik oder welcher Stadt er kommt. In dem Beispiel oben „FA“ für Yokohama. Das könnte dann interessant sein, wenn der Reifenhersteller eine bestimmte Charge wegen Qualitätsproblemen zurück ruft. Hier gibt es eine ganze Liste mit diesen Codes.

Darüber hinaus wird das Produktionsdatum gestempelt. Eigenartigerweise ist dieses Datum manchmal nur auf einer Seite des Reifens, so dass man eventuell unter das Auto kriechen muss, um die Innenwand zu betrachten. Auf jeden Fall findet man dort eine drei oder viertstellige Ziffer. Wenn dies tatsächlich nur eine dreistellige Ziffer ist, dann sind die Reifen zu alt. Und als Faustregel kann man festhalten, dass Reifen die älter als 6 Jahre sind, nicht mehr verwendet werden sollten. Gummi baut sich mit der Zeit ab und wird spröde, ganz unabhängig davon, ob man sie viel, wenig oder gar nicht nutzt. Nicht ganz ungewöhnlich wäre es, wenn ein unseriöser Händler derartige Reifen noch ab Lager verkauft. Der Code ist sehr einfach: Alle dreistelligen Ziffern stehen auf Reifen, die VOR 2000 gefertigt wurden. Zum Beispiel  1 7 6 = siebzehnte Woche im Jahr 1986. Für 1996 gilt das Gleiche, nur dass dann noch ein kleines Dreieck hinter dem DOT Code steht. Nach 2000 wurde der vierstellige Code verwendet.  1 0 0 8 bedeutet dabei zehnte Woche im Jahr 2008.

Die E-Kennzeichnung

Alle Reifen, die nach Juli 1997 in der EU verkauft wurden, müssen eine E-Kennzeichnung haben. Diese Markierung mit einem groß geschrieben E besagt, dass der Reifen gemäß ECE Regulation 30 zertifiziert wurden. Ein klein geschriebenes e hingegen zertifiziert gemäß 92/33/ECE. Aber eigentlich ist das für den Laien auch egal.

Die Reifendimensionen

Die in Europa gängigste Variante der Angabe von Reifendimensionen gemäß DIN zeigt sich wie folgt:

185 65 H R 13

185 – Breite der Lauffläche in mm von Seitenwand zu Seitenwand gemessen.

65 – Höhe der Reifenwand in relativer Angabe zur Lauffläche – hier zum Beispiel 65% von 185 mm, also 120,5mm

H – Geschwindigkeitsindex

R – Gibt an, dass es sich um einen Radialreifen handelt.

13 – Durchmesser der Felge in Zoll, auf die der Reifen aufgezogen werden soll. Bitte fragt nicht, warum bei den Reifendimensionen metrische und zöllige Einheiten gemischt verwendet werden. Es ist einfach so!

Reifen für Oldtimer und Youngtimer

Jenson Interceptor Convertible 1974 Bildquelle: siehe Fußnote 2

Die oben genannten Reifendimensionen wurden erst Mitte der 60er gültig. Für einige – insbesondere nicht deutsche – Fahrzeuge vor dieser Zeit und teilweise bis in die 70er (z.B. ein Jensen Interceptor) wurden die Reifenvorgaben in der Form ER70VR15 angegeben. Dabei referenziert 70 die Höhe und 15 die Dimension. Auf den ersten Blick könnte man also glauben, dass gar keine Breite angegeben wurde. Tatsächlich verbirgt sich diese in dem ersten Buchstaben. Nun ist dies aber noch keine direkte Angabe zur Reifengröße, denn je weiter der Buchstabe im Alphabet war, desto mehr Last konnte der Reifen tragen. Gleichzeitig ging man davon aus, dass man bei höherer Last breitere Reifen benötigte. Vergleichen mit heutigen Dimensionen gilt daher ungefähr:

C = 185, D = 195, E = 205, F = 215, G = 225, H = 235, usw.

Das Beispiel von oben können wir also in einen 205/70 R15 Reifen mit Geschwindigkeitsindex V übersetzen. Obgleich ein Interceptor rein theoretisch schon mal 225 km/h schnell fahren konnte, war wegen der Aerodynamik in der Praxis meist bei 190 km/h Schluss. Daher ist das V schon ein wenig optimistisch und ein H Reifen wäre ebenso gut zu verwenden und dabei deutlich günstiger.

Die Tabelle zeigt eine Umrechnung zwischen modernen und Oldtimer-Reifen und hier gibt es noch weitere Informationen für Leute, die ihre bisherigen Reifendimensionen komplett ändern möchten, um zum Beispiel größere Felgen und Niederquerschnittsreifen aufzuziehen.

Land Rover und andere Off-Road Reifen

Auf älteren Land Rover findet man häufig eine Reifengrößenangabe ähnlich 750×16. Dies ist ein weitere komische Angabe die jeder Logik trotzt. In diesem Fall gibt 750 Zollmaße in Dezimalschreibweise an. 750 = 7,5“ bezugnehmend auf die „Breite bei normal befülltem Druck“. Dies ist nicht zwingend auch die tatsächliche Reifenbreite. Die 16 bedeutet, der Reifen ist für 16 Zoll große Felgen geeignet. Blöd, was? Jetzt stellt sich nämlich die Frage „welche Reifen moderner Schreibweise eignen sich denn für meinen alten Landy?“ Die 7.5 Zoll werden in 190mm umgerechnet. Bei älteren Fahrzeugen ging man von einem 1:1 Verhältnis (also 100%) von Lauffläche zu Mantelhöhe aus. Daraus ergibt sich dann also ein 190/100R16 Reifen. Die meisten werden aber wohl heute eher einen 265/65R16 oder 235/85R16 Reifen bevorzugen.

Der Geschwindigkeitsindex

Wie schon beschrieben wird der Geschwindigkeitsindex durch Buchstaben gekennzeichnet. Dieser gibt die maximale Geschwindigkeit an, mit der dieser Reifentyp zehn Minuten ununterbrochen gedreht werden kann ohne sich selbst, das Auto, den Fahrer oder sonst etwas zu zerstören. Dabei werden Gummis mit Geschwindigkeitsindex H  mehr und mehr die heutzutage gebräuchlichsten Reifen.

Symbol maximale Geschwindigkeit Symbol maximale Geschwindigkeit
Km/h MPH Km/h MPH
L 120 75 S 180 113
M 130 81 T 190 118
N 140 87 U 200 125
P 150 95 H 210 130
Q 160 100 V 240 150
R 170 105 W 270 168
Y 300 186
Z 240+ 150+

Der Lastindex

Zum Schluss soll noch der Lastindex erwähnt werden. Die unten aufgeführten Lastindexnummern gelten für alle Geschwindigkeiten unterhalb 210km/h. Oberhalb dieser Geschwindigkeit nimmt die Fähigkeit, Last zu tragen bei Reifen ab. Dies zu errechnen ist aber für die tägliche Fahrpraxis nicht wirklich notwendig und darüber hinaus auch ein zu komplexes Thema für diesen Blog.



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Der Lastindex wird für jeden Reifen einzeln angegeben. Gehen wir der Einfachheit halber mal von einem Fahrzeug mit 2000kg Gesamtgewicht (inklusive Passagiere und Gepäck) aus und verteilen dies auf vier Reifen zu je 500kg, addieren dann als guter Ingenieur noch einmal 10-20% zur Sicherheit hinzu, dann entspricht die resultierende Maximallast von 600kg dem Lastindex 90.

LI   kg
50  190
51  195
52  200
53  206
54  212
55  218
56  224
57  230
58  236
59  243
60  250
61  257
62  265
63  272
64  280
65  290
66  300
67  307
68  315
69  325
LI   kg
70  335
71  345
72  355
73  365
74  375
75  387
76  400
77  412
78  425
79  437
80  450
81  462
82  475
83  487
84  500
85  515
86  530
87  545
88  560
89  580
LI   kg
90  600
91  615
92  630
93  650
94  670
95  690
96  710
97  730
98  750
99  775
100  800
101  825
102  850
103  875
104  900
105  925
106  950
107  975
108  1000
109  1030
LI   kg
110  1060
111  1090
112  1120
113  1150
114  1180
115  1215
116  1250
117  1285
118  1320
119  1360
120  1400
121  1450
122  1500
123  1550
124  1600
125  1650
126  1700
127  1750
128  1800
129  1850
LI   kg
130  1900
131  1950
132  2000
133  2060
134  2120
135  2180
136  2240
137  2300
138  2360
139  2430
140  2500
141  2575
142  2650
143  2725
144  2800
145  2900
146  3000
147  3075
148  3150
149  3250
LI   kg
150  3350
151  3450
152  3550
153  3650
154  3750
155  3875
156  4000
157  4125
158  4250
159  4375
160  4500
161  4625
162  4750
163  4875
164  5000
165  5150
166  5300
167  5450
168  5600
169  5800

Das Ersatzrad?

Bei manchen Autos sind zwar alle vier montierten Räder neu, aber was ist mit dem Ersatzrad? Insbesondere bei älteren gefahrenen Fahrzeugen findet man gern noch Reifen aus den frühen 90ern (mit einem Dreieck) als fünftes Rad . Spätestens wenn man doch mal unerwartet einen Platten hat und sich dann auf das korrodierte und womöglich luftleere Teil im Kofferraum verlassen soll, ist man schlecht beraten.

Die richtigen Gummis auf die Felgen

Natürlich passt nicht jedes Pneu auf eine beliebige Felge. Und für bestimmte Felgen mit exotischen Maßen gibt es nur einen oder zwei Reifen-Hersteller. Das treibt die Preise für jeden einzelnen Reifen dann in ungeahnte Höhen. Wenn man sich auf das Massensegment beschränkt – das sind in Europa meist die Klein- und Mittelklassewagen mit 15 oder 16 Zoll Bereifung und 195er Breite – ist die Auswahl wesentlich größer und die Preise fallen. Hier habe ich zusammen getragen, welche Reifenbreite auf die jeweilge Felge passt. Freigaben der Hersteller sind dabei zu beachten, sonst kann es in seltenen Fällen sein, dass ein pingliger TÜV-Prüfer sein OK verweigert. Das ist allerdings unwahrscheinlich, denn kaum jemand blickt noch bei dem Angebot der unzähligen Felgen vollkommen durch.

Hinweise zu Bildquellen

  1. Reifen am TransAm, piqs.de, some rights reserved
  2. Jenson Interceptor, Sebastian Claus, wikipedia, some rights reserved

Dieser Text ist an Personen gerichtet, die sich selbst um Pflege und Wartung ihres Fahrzeugs kümmern (wollen). Auf dieser Seite wird privates Wissen vermittelt. Der Autor, der Übersetzer und der technische Anbieter dieser Seiten sind nicht verantwortlich für Sach- oder Personenschäden, die direkt oder indirekt durch das praxisnahe Umsetzen dieses Textes entstehen. Wer sich selbst oder sein Auto verletzt, findet bitte einen anderen Schuldigen. Dies ist die einzige rechtlich autorisierte Übersetzung der Car Bible von Chris Longhurst in deutscher Sprache.

4 Kommentare to “Die Reifen und Räder Bibel”

  1. Old John sagt:

    Kleine Korrektur in der Beschreibung der sehr anschaulichen Reifen-graphik: DOT = Department Of TRANSPORTATION (statt „Travel „).
    Im Übrigen vielen Dank für die hervorragende Seite!

  2. R. Langer sagt:

    Hallo,

    ein guter Freund sucht preisgünstige Reifen für seinen Oldi die Bezeichnung ist 720 – 120 Niederdruck-Wulstreifen, habe ich noch nie gehört. Was könnte da passen ??

    Danke MfG. R.Langer

    • hausmeister sagt:

      Hallo. Gehen wir zuerst einmal davon aus, dass beides Zollmaße in Dezimalschreibweise sind:
      720 = 7,2“ bezugnehmend auf die „Breite bei normal befülltem Druck“.
      Dies ist nicht zwingend auch die tatsächliche Reifenbreite.
      Die 120 bedeutet, der Reifen ist für 12 Zoll große Felgen geeignet.
      Gemäß der Tabelle zur Umrechnung (klick) wär dies dann nach heutiger Schreibweise ein 185/80 R12 Reifen.

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