Youngtimer Garage dust in the wind Sandstrahlen Köln
Youngtimer Garage: Für Fahrer und Schrauber von Fahrzeugen aus den 60er, 70er und 80er Jahren
Die Motorölbibel (Teil 1)
Categories: Auto Bibel

Wieviel ist Dir der Motor in Deinem Auto wert? Denke darüber nach, denn die Lebenserwartung dieser Maschine hängt zu einem nicht zu unterschätzden Teil von der Qualität des Öls ab, das eingefüllt wird. Seit Mitte der 80er hat eine enorme technische Entwicklung in Bezug auf das Motorenöl stattgefunden. Dazu beigetragen haben die Bedürfnisse, die durch moderne Motorenentwicklung nötig wurden mit 16 Ventil-Motoren, Turboladern und dergeleichen. Damit waren die Zeiten, in denen ein Öl für alle ausreichte endgültig vorbei.

Und was macht das Öl jetzt genau?

Hauptsächlich soll das Öl verhindern, dass Metallteile im Motor nicht ungeschützt aneinander Reiben. Hierdurch würden sich Riefen, Verformungen und sonstige Schäden ergeben und der Motor wäre schnell kaputt. Darüber hinaus soll das Öl Wärme aus dem Motor ableiten. Nicht zuletzt hilft das Öl die ganzen häßlichen Nebenprodukte der Verbrennung (wie Silikonoxide und Säuren) zu binden. Zum Schluss verhindert ein Ölüberzug, dass die Metallteile im Motor der Luft ungeschützt ausgesetzt sind und diese sonst eventuell rosten würden. Das alles macht das Öl unter erheblichem Druck- und Temperatureinfluss.

Wie verstehe ich die W Nummern auf den Produkten – zum Beispiel 15W40?

Einfache Öle werden zu dünnflüssig, wenn sie den Temperaturen moderner Motoren ausgesetzt werden. Hier kommen die Mehrbereichsöle ins Spiel. Dabei gibt die Nummer vor dem W an, welche Viskosität das Öl im kalten Zustand hat. Die Zahl hinter dem W gibt die Viskosität in erhitztem Zustand an. Also verhält sich beispielweise ein 5W40 Öl im kalten Zustand wie jedes andere 5er Öl. Erst bei Hitze zeigen sich die Unterschiede. Je kleiner die „Winter“-Nummer (daher kommt nämlich das W) ist, desto schneller verteilt sich das Öl beim Motorenstart in kalten Klimaten.

Eine schnelle Übersicht der Öle

Vollsynthetisch Charakteristik
0W-30
0W-40
5W-40
Kann den Treibstoffverbrauch reduzieren
Verbessert die Leistung des Motors
Sorgt für gute Kaltstarteigenschaften und schnelle Verteilung in kalten Klimaten
Zieht Nebenprodukte schnell vom Motor weg
Halbsynthetisch
5W-30
10W-40
15W-40
Besserer Motorschutz als bei rein mineralischen Ölen
Guter Schutz des Motors nach etwa 10 Minuten Warmlaufphase
Schützt etwa drei mal besser vor Motorenverschleiß als mineralische Öle
Der Ölwecheselintervall wird verlängert, dadurch weniger Ölwechsel im gleichen Zeitraum
Mineralisch
10W-40
15W-40
Grundschutz für verschiedene Motoren
Häufige Ölwechsel sind erforderlich

Der schwarze Tod und Ölschlamm

In den 80ern erlagen einige Motoren dem schwarzen Tod. Dies wurde hervorgerufen durch die verwendeten herkömmlichen Öle, aber zugleich besser und schneller befahbare Straßen mit leistungsstärkeren Motoren und geringere technische Toleranzen. Hierdurch wurde das Öl im Betrieb wesentlich höher erhitzt und in der Folge zu einem teerähnlichen Kleber umgewandelt, der nicht mehr die Anforderungen an Motorenöl erfüllte. Davon waren viele Autos betroffen, aber die von Ford und Opel (GM) am statistisch häufigsten. Obwohl ich davon abrate, kann man das experimentell nachstellen, indem man Öl in einer Pfanne extrem erhitzt. Entweder hat man dann das schwarze Zeug zur weiteren Untersuchung in der Pfanne oder die Küche steht dummerweise in Flammen. Wie auch immer, der schwarze Tod war Voraussetzung, damit die Industie bessere Öle entwickelte.

Ölschlamm tritt entgegen weit verbreiteter Meinung nicht nur bei defekter Zylinderkopfdichtung oder ähnlichem auf. Vielmehr kann das Zeug, das in seiner Konsistenz schwarzbraunem Yoghurt ähnelt, durch Zersetzungsprozesse der synthetischen und mineralischen Bestandteile im Öl unter Hitze und Druck entstehen. Hauptursache sind meist überzogene Ölwechselintervalle und zu starke Motorbelastung. Aber es gibt auch einen Verbraucherreport aus dem Jahr 2005, nach dem verschiedene Fahrzeuge von Audi, Chrysler, Saab, Toyota und Volkswagen Ölschlammbildung zeigten, obwohl die Wartung regelmäßig erfolgte.

Wie sieht Ölschlamm aus? Das Beispiel unten zeigt einen BMW Motor, der rund 30.000km ohne Ölwechsel im Stop-and-Go Stadtverkehr mit vielen Kaltstarts gefahren wurde und danach für etwa ein Jahr abgestellt wurde ohne zuvor einen Ölwechsel zu machen.

Ölschlamm

Darstellung von Ölschlamm (links normal, rechts Ölschlamm)

Was tun gegen Ölschlamm? Auf diese Frage gibt es keine ganz eindeutige Antwort. Manche raten zu einer Motorspülung. Allerdings könnten hierdurch zähe Teile im Öl dorthin gelangen, wo sie durch Verstopfung irgendwelcher Kanäle noch zerstörerischer sind. Und die Verwendung von Additiven ist vielleicht auch nicht der richtige Weg, denn es wurde berichtet, dass gerade die Additive erst den Ölschlamm verursachten. Wahrscheinlich ist sofortiges Abschalten und anschließende Revision des Motors und aller betroffenen Leitungen mit Totalzerlegung, Einzelreinigung und Neuzusammenbau die einzige aber auch aufwändigste Lösung.

Lebensalter von Motorenöl im Regal

Wie lange hält sich (ursprünglich) neues Motorenöl im Lager? Grundsätzlich schon ein paar Jahre. Öle altern hauptsächlich durch Druck- und Temperaturunterschiede. Wenn die Behälter ungeöffnet sind und somit weder Luft noch Feuchtigkeit eindringen konnten, die Öle immer zwischen 10°C und 25°C gelagert wurden und direkte Sonneneinstrahlung vermieden wurde, kann man auch 5 Jahre altes Öl verwenden. Dennoch unterscheiden sich die Produkte und man sollte auf der Verpackung nach Herstellerangaben suchen.

Was passiert wenn ich frisches vollsynthetisches Öl in meinen alten Motor kippe?

Diese Frage könnte von Leuten stammen, die zum Beispiel einen Gebrauchtwagen gekauft haben und nun die Historie mit frischem Öl neu beginnen wollen. Wenn der Motor und die Dichtungen alle in Ordnung waren, passiert erst einmal gar nichts. Vor allem werden die alten Dichtungen nicht porös oder schrumpfen oder sowas. Moderne synthetische Öle sind vollkompatibel in ihren Eigenschaften zu Mineralölen.

Dennoch sollte man ein paar Vorbereitungen treffen. Da Mineralöle Zusatzstoffe und Kleinstpartikel nicht oder anders vom Motor transportieren, kann man zuerst eine Motorspülung durchführen. Man sollte auch immer nur zu höherwertigem Öl wechseln. Niemals sollte nach jahrelanger Verwendung von halbsynthetischem Öl auf mineralisches gewechselt werden, da auch die Reibungseigenschaften andere sind.

Es gibt keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass das Mischen von synthetischen und mineralischen Ölen schädlich wäre.  Allerdings nimmt das Gemisch immer nur die Eigenschaften des jeweils geringerwertigen Öls an.

Motorspülung

Das Öl für eine Motorspülung ist sehr, sehr dünnflüssig. Typischerweise ist dies ein 0W/20 Öl. Mit Ausnahme von ganz wenigen neuen Hybridfahrzeugen sollte man niemals mit diesem Öl fahren, weil es nicht auf Last ausgelegt ist. Obwohl man eine Motorspülung nur dann benötigt, wenn zuvor eine falsche Flüssigkeit eingefüllt wurde, hier die Vorgehensweise:

  1. Altes Öl ablassen, aber alte Ölfilter noch nicht entfernen
  2. Spülöl einfüllen und den Motor ohne Last 20 Minuten laufen lassen
  3. Spülöl ablassen und über das ganze Zeug wundern, dass da auch noch raus kommt
  4. Neuen Filter einsetzen, normales Öl einfüllen, fertig

Dieser Text ist an Personen gerichtet, die sich selbst um Pflege und Wartung ihres Fahrzeugs kümmern (wollen). Auf dieser Seite wird privates Wissen vermittelt. Der Autor, der Übersetzer und der technische Anbieter dieser Seiten sind nicht verantwortlich für Sach- oder Personenschäden, die direkt oder indirekt durch das praxisnahe Umsetzen dieses Textes entstehen. Wer sich selbst oder sein Auto verletzt, findet bitte einen anderen Schuldigen. Dies ist die einzige rechtlich autorisierte Übersetzung der Car Bible von Chris Longhurst in deutscher Sprache.

 

Schreibe eine Antwort