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Youngtimer Garage: Für Fahrer und Schrauber von Fahrzeugen aus den 60er, 70er und 80er Jahren
Die Motoröl-Bibel (Teil 2)
Categories: Auto Bibel

Im ersten Teil Der Motorölbibel wurde die Funktionsweise von Motoröl generell erläutert, die W-Nummern erklärt, Ölschlamm und die Frage nach der Haltbarkeit von Motorölen erklärt. Im Zweiten Teil werden nun viele weitere häufig aufkommende Fragen erklärt. Insbesondere an den Suchbegriffen, mit denen Euch Google auf die Seiten der Autobibel führt, kann ich erkennen, dass das Interesse anscheinend vorhanden ist.

 

Oldtimer-Motoröl oder High-Milage Oil

Immer mehr Produzenten stellen spezielle Motoröle für ältere Fahrzeuge oder Motoren mit hoher Laufleistung (über 125.000km) her. Zum Beispiel dieses hier. Aber es gibt auch von Castrol, Penrite und anderen Herstellern ähnliche Angebote. Das besondere an diesen Ölen sind die beigefügten Additive. Das erste Additiv sorgt üblicherweise für ein Anpassung der physikalischen Eigenschaften des Motoröls selbst, damit den Anforderungen an Druck, Temperatur, Toleranzen etc. Rechnung getragen wird. Moderne Motoren arbeiten nämlich inzwischen unter anderen Bedingungen als noch vor 20 bis 30 Jahren. Das andere Additiv ist ein Dichtungs-Erweiterer. Alte und spröde Dichtungen in einem betagten Motor sollen diese Weichmacher aufsaugen damit bis zu einem gewissen Grad wieder besser abdichten. Ölflecken unter dem Fahrzeug können so verringert oder vermieden werden.

 

Prüf- und Serviceintervalle

Um Himmels Willen bitte knausert nicht am Service. Man kann Motoren nicht zu häufig checken. Siehe hierzu auch die Wartungshinweise in der Auto Bibel. Alle Öle gleich welcher Art bestehen aus verketteten Molekülen. Diese Molekülketten trennen und verkürzen sich mit längerer Laufzeit im Motor. Damit verliert das Öl zunehmend an Viskosität. Deshalb sind regelmäßige Ölwechselintervalle erforderlich. Dunkle bis schwarze Färbung des Motoröls ist hingegen kein Grund zur Besorgnis. Schon nach ein paar hundert Kilometern wird frisches Motoröl seine goldbraune Farbe wechseln. Bei Dieselfahrzeugen schneller als bei Benzinern. Das bedeutet nicht, dass das Öl nicht mehr gut wäre. Im Gegenteil: Es ist der Beweis dafür, dass das Öl sein Dienst tut und Ruß, Metallabrieb und sonstige Bestandteile aus dem Motor abführt.

 

Wie häufig soll ich mein Motoröl wechseln?

Auch hier gilt: Man kann Öl nicht zu häufig wechseln. Je häufiger es gegen frisches ausgetauscht wird, desto länger wird der der Motor halten.

Und ab hier verschwindet die Diskussion in eine Grauzone. Hersteller geben meist 10.000 bis 20.000km als Wechselintervall vor. Besitzer von Oldtimern empfehlen vielleicht alle 3.000 km. Und Onkel Herbert mit dem schlechtem Atem wird sagen, dass er bei seinem Mercedes W123 Diesel noch nie das Öl gewechselt hat, sondern alle 2.000 km einen halben Liter 15W40 nachschüttet und nur ab und an den Ölfilter erneuert.

Tatsache ist, dass im Verbrennungsprozess große Mengen Wasser erzeugt werden und manches davon gelangt in das Kurbelgehäuse. Bei kühlen Temperaturen wird der Wasserdampf kondensieren. Das ist schlecht genug, weil Wasser nicht gerade für seine guten Schmiereigenschaften bekannt ist. Noch schlechter ist es, weil Wasser Nitratverbindungen löst, die während der Verbrennung entstehen. Diese Mischung aus HNO3 (Salpetersäure) und HNO2 (Salpetrige Säure) führt zu Korrosionsschäden.

Damit ist der beste Zeitpunkt für einen Ölwechsel von einer Reihe Faktoren abhängig und die Laufleistung selbst darunter die am wenigsten wichtige.

  1. Anzahl der Kaltstarts (und damit verbundene Kondensation im kalten Motor)
  2. Luftfeuchtigkeit und Außentemperatur (die bedingen, wie lange ein Motor benötigt, um warm genug zu sein und die Kondensation zu stoppen)
  3. Effizienz des Scavening im Kurbelgehäuse
  4. Abnutzungserscheinungen des Motors (schlechte Dichtungen an Kolben und Ventilen verstärken die oben genannten Probleme)
  5. Gleichmäßigkeit der Verbrennung in der Aufwärmphase der Maschine.
  6. Und zum Schluss natürlich auch noch die gefahrene Wegstrecke

Es wäre jetzt extrem schlau, wenn man hierzu eine genau Formel angeben könnte. Tatsächlich macht moderne Bordelektronik nichts anderes und gibt dem Fahrer dann über das Display den fälligen Zeitpunkt bis zum nächsten Serviceintervall an. Die frühen Intervallberechnungen waren allerdings nichts anderes als Kilometerzähler. Im Youngtimer und erst recht im Oldtimer wird die Technik vielleicht noch nicht so schlau sein und wir merken uns, dass die Punkte 1 bis 3 am wichtigsten sind. Ein Kaltstart an einem feuchten Wintermorgen kann wesentlich schädlicher sein, als 10 oder mehr an einem trockenen Sommertag. Wer sein Fahrzeug trocken überwintern lässt, sollte darüber nachdenken, das Öl zwei Mal im Jahr zu wechseln. Zum Beispiel einmal vor der Saison (März/April) und einmal danach (November).

 

Was passiert, wenn der Ölstand überfüllt ist?

Die nachfolgende Beschreibung gilt nur für Motoren mit Druckumlauf- oder Nass-Sumpfschmierung (tiefer gehende Erklärung hier). Dies ist die heute häufigste Bauweise in PKW. Näheres wird hier erklärt. Wer den Ölstand am warmen Motor geprüft oder warum auch immer falsch abgelesen hat und zu viel Öl nachgefüllt hat, riskiert dabei, dass ein zu hoher Öldruck Dichtungen und Ventile beschädigen kann. Im häufigsten Fall werden die hinteren Hauptdichtungen reißen und das Fahrzeug wird fortan Öltropfen über dem Parkplatz ablassen. Bei Fahrzeugen mit Handschaltung kann auch Öl bis zur Kupplungsscheibe gelangen. Wenn das weiterhin unbemerkt bleibt, verabschiedet sich auch die vordere Dichtung und der Wagen wird vom Lecker zum Pisser und verteilt das Öl überall hin. Neben den damit verbundenen Umweltschäden werden wohl auch die Bremsscheiben einzelne Öltropfen abbekommen und damit ihren Dienst versagen.

Im Kurbelgehäuse wird ein zu hoher Ölstand durch die Bewegungen das Öl aufschäumen. Wenn Schaum auf dem Cappuccino noch sehr gut aussieht, ist dieses Öl-Luft Gemisch im Motor schlecht, denn – falls Du es noch nicht weißt – Luft hat keine Schmiereigenschaft. Üblicherweise bedeutet es, der Motor wird sehr schnell abbauen. Insbesondere dann, wenn man auf der Autobahn oder Schnellstraße unterwegs ist. Irgendwann wird sich der Motor mit einem Geräusch verabschieden, dass an einen Konzertflügel erinnert, den man die Treppen hinunter stößt. Außerdem gelangt dann Öl in den Brennraum und wird über die Abgasführung in den Katalysator geleitet. Der ist danach nutzlos.

 

Kann man Öl für Diesel-Motoren auch in Otto-Motoren und umgekehrt verwenden?

Diese Frage zu beantworten ist schwierig. Dieselmotoren laufen konstruktionsbedingt mit höheren Druckverhältnissen und die Betriebstemperaturen sind wesentlich höher. Deshalb sind Motoröle für Dieselaggregate auch entsprechend darauf ausgelegt. Außerdem produzieren Diesel im Verbrennungsprozess mehr Ruß und andere Verbrennungsnebenprodukte. In Diesel-Motorölen sind zum Ausgleich typischerweise etwas mehr Detergenzien (lösende Reinigungsprodukte) enthalten. Darüber hinaus  sei noch erwähnt, dass nur Diesel-Motoröle Schaumverhüter beigefügt haben, weil diese für normale Motoröle nicht benötigt werden.

Soll das jetzt die allumfassende Antwort sein? Nicht ganz: Man hat schon davon gehört, dass Ottomotoren durch Diesel-Motoröle so gut sauber gespült wurden, dass nachher weniger Kompression vorhanden war. Deshalb sollte man vielleicht etwas vorsichtig sein. Man kann aber durchaus ACEA B4 Öle (diese sind für normale Common Rail / Direct Injection Diesel üblich) verwenden, wenn laut Herstellerangaben nur ACEA B3 vorgeschlagen wird. In jedem Fall sind Standardmotoröle wiederum in Dieselmotoren die wesentlich schlechtere Wahl und man sollte auf ein spezialisiertes Produkt mit Additiven zurück greifen.

 


Dieser Text ist an Personen gerichtet, die sich selbst um Pflege und Wartung ihres Fahrzeugs kümmern (wollen). Auf dieser Seite wird privates Wissen vermittelt. Der Autor, der Übersetzer und der technische Anbieter dieser Seiten sind nicht verantwortlich für Sach- oder Personenschäden, die direkt oder indirekt durch das praxisnahe Umsetzen dieses Textes entstehen. Wer sich selbst oder sein Auto verletzt, findet bitte einen anderen Schuldigen. Dies ist die einzige rechtlich autorisierte Übersetzung der Car Bible von Chris Longhurst in deutscher Sprache.

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