Unnötige Verkehrshindernisse: Bagatellschaden

Sehr häufig im Berufsverkehr, wenn die Schlafmützen noch im Bett liegen sollten oder in Gedanken ganz woanders sind: Bremslicht-Quiietsch-Rumms! Der Abstand war wohl doch nicht groß genug, die Aufmerksamkeit nicht auf das vorausfahrende Fahrzeug gerichtet und nun haben wir… nein, meist nicht einmal einen Blechschaden. Dazu war die Geschwindigkeit im allmorgendlichen Stop-and-Go noch zu langsam. Meist handelt es sich um einen leicht verkratzten Stoßfänger, eventuell hat eine Designerleuchte des Plastikautos nun einen Riss. Das ist ganz ohne Zweifel ärgerlich, aber eben mehr auch nicht.

Es gibt Länder, da würde man jetzt einfach weiter fahren. Gut, das sollte man nicht, denn Unfallflucht wird in Deutschland nach §142 bestraft. Was mich allerdings immer wieder extrem ärgert, sind die Desorientierten, die mitten im Kölner Berufsverkehr wegen eines Bagatellschadens mal eben die Fahrbahn sperren. „Ooohh, ich weiß doch nicht, was ich tun soll. Besser alles so stehen lassen und im Auto warten, bis die Polizei kommt.“ Es dauert dann keine fünf Minuten und die Innere Kanalstraße ist über die Zoobrücke bis zur Autobahnaufahrt A3 zu einer spontanen 10km langen Gebrauchtwagenausstellung geworden.

Was läuft da falsch? §34 StVO macht das sehr genau klar: Bei Bagatellschäden ist die Unfallstelle sofort zu räumen. Also zum Ausdrucken und auswendig Lernen:

  1. Anhalten
  2. Warnblinkanalage einschalten
  3. Ist den Fahrzeuginsassen etwas passiert?
  4. Vorsichtig aussteigen – nach hinten gucken!
  5. Ist den anderen am Unfall Beteiligten etwas passiert?
  6. Kurz den Schaden abchecken

Wenn jetzt nichts Besonderes vorgefallen ist und die Unfallstelle nicht besonders gesichert werden muss, es sich also definitiv um einen Bagatellschaden handelt, dann werden

  1. jetzt ein paar aussagekräftige Bilder und/oder Videos vom Unfallort gemacht.

Ein Mobiltelefon hat heute fast jeder dabei und nicht ganz selten war es sogar die Benutzung dieses Geräts, die den Unfall erst auslöste – nur mal eben den Kommentar bei Facebook gelesen…

  1. Unmittelbar danach kann man mit den Fahrzeugen in die nächste Seitenstraße, auf den Parkplatz, auf den Seitenstreifen fahren und den Rest klären.
  2. Zum Beispiel die Polizei anrufen.

Das ist bei Mietwagen, Carsharing sowie einigen Dienstwagen sogar im Vertrag so vorgeschrieben. Aber da steht nicht: „Du sollst die nächste halbe Stunde mitten auf der Fahrbahn stehen bleiben, bis die Uniformierten Dich finden.“ Die haben nämlich auch nicht gesehen, wie es zum Unfall kam und werden deshalb als erstes nach ihrer Ankunft sagen „fahren Sie bitte ganz schnell zur Seite.“ Es gilt unbedingt, weitere Unfälle im nachfolgenden Verkehr zu vermeiden. Wer den Verkehr bis jetzt unnötig aufgehalten hat, kann mit einem Bußgeld von 30 Euro rechnen.

Auch die Daten des Unfallgegners kann man in Ruhe schon mal aufnehmen, solange man auf die Polizei wartet. Dabei hilft der standardisierte Europäische Unfallbericht, den es bei den KFZ-Haftpflichversicherungen gibt. Kann man sich ins Handschuhfach oder auf das Ersatzrad legen. Und wer keinen Dienstwagen, kein Firmenfahrzeug, Mietwagen oder sowas fährt, kann auch ganz auf die Unterstützung der Polizei verzichten. Abseits des nun wieder fließenden Verkehrs können noch in aller Ruhe Detailfotos des Schadens aufgenommen werden.

Bleibt noch eine Frage: Wie ist denn ein geringfügiger Schaden oder Bagatellschaden defniert?

Das Oberlandesgericht Köln (Az.: Ss 932/78) hatte vor Jahren einen Schaden von ca. 600 Euro als nicht geringfügig eingestuft. Neuere Meinungen in der Literatur gehen von einer Bagatellgrenze von 2000 Euro aus. Andere Quellen nennen 700 Euro oder 750 Euro. Das ist schwierig zu definieren, da allein der Austausch der Stoßstange an Muttis VW-Touareg-Bomber gern um 2000 Euro kosten kann, der 1996er Ford Ka eines Studenten aber insgesamt noch maximal 450 Euro wert ist.

 

 

 

Der Adler ist gelandet

Neuzugang in der Youngtimer Garage und doch schon ein echter Oldtimer:

Ich habe nun eine über 65 Jahre alte Adler 30-1, erworben über das große Internetauktionshaus im Doppelpack mit einer Frobana. Letztere gibt mir allerdings noch Rätsel auf und geht eventuell nach erfolgter Aufbereitung wieder in den Verkauf. Die Firma Adler – heute Dürkopp Adler AG, früher Kochs Adler Nähmaschinenwerke AG – aus Bielefeld stellte Fahrzeuge (Autos, Fahrräder, Roller) aber eben auch hochwertige Nähmaschinen her. Details und Bilder gibt es hier.

Mit dieser Maschine allein sollte man nicht professionell als Sattler arbeiten. Aber um kleine Reparaturen im Fahrzeuginnenraum oder am Cabriodach selbst durchführen zu können, kann man sich mit einer Nähahle quälen oder eine Sattlernähmaschine nutzen. Vor dem ersten Einsatz erfolgte allerdings erst einmal die Demontage und Reinigung. Offensichtlich war diese Adler 30-1 lange Jahre im harten Einsatz und danach eine Weile vergessen, bevor sie nun wieder zum Leben erweckt wurde. Gammel, Schmutz und Rost nagen am Zahn der Zeit. Keine Angst: Es ist zwar alles ein bischen kleiner und feiner als bei den sonst von mir beschraubten Autos, aber die Mechanik der Maschine ist extrem robust und die Funktionsweise der wichtigsten Teile erschließt sich schnell von selbst.

 

Eine alte 30-1 bis zu dem Zustand ganz unten werden noch drei volle Tage Arbeit vergehen. Einzelteile wie fehlende Schrauben, neuer Treibriemen, Spulgummi, Nadeln und Faden sind bestellt und kommen schnell geliefert von www.altenaehmaschine.de

Eine alte Adler 30-1. Bis zu dem Zustand ganz unten werden noch mehr als drei volle Tage Arbeit vergehen. Einzelteile wie fehlende Schrauben, neuer Treibriemen, Spulgummi, Nadeln und Faden sind bestellt und kommen schnell geliefert von www.altenaehmaschine.de

Der Untertisch bei Ankunft in Köln. Stabil schon, aber grob Misshandelt und optisch völlig fertig.

Der Untertisch bei Ankunft in Köln. Stabil schon, aber viele Jahre grob misshandelt und nun optisch völlig fertig. Die Mechanik schleift und quietscht.

Hier kann man schon die erheblichen Fortschritte beim Untertisch erkennen. Erst abschleifen, dann Lasur und zweifach Klarlack aufgetragen. Die Mechanik wurde entfettet, gereinigt und poliert. Leider fehlen hier die Bilder von der Reinigung der Maschine selbst. Sie waren trotz Blitzlicht verwackelt. Erstreinigung erfolgte mit Seifenlauge, dann mit Kaltreiniger, die freien Stellen mit Pinsel und Zahnbürste reinigen, fiesen Klebeschmier eines halben Jahrhunderts überall abtragen. Anschließend alles mit WD-40 behandeln und wieder reinigen. Druckluft vorsichtig zum Wegblasen von Dreck anwenden.

Hier kann man schon die erheblichen Fortschritte beim Untertisch erkennen. Erst abgeschliffen, dann Lasur und zweifach Klarlack aufgetragen. Die Mechanik wurde entfettet, gereinigt und poliert. Leider fehlen hier die Bilder von der Reinigung der Maschine selbst. Die Aufnahmen waren trotz Blitzlicht verwackelt. Die Erstreinigung aller Metallteile erfolgte mit Seifenlauge, dann mit Kaltreiniger, die feinen Stellen mit Pinsel und Zahnbürste reinigen, fiesen Klebeschmier eines halben Jahrhunderts überall mit Tüchern abtragen. Anschließend alles mit WD-40 behandeln und wieder reinigen. Druckluft vorsichtig zum Wegblasen von Dreck anwenden. Rost wurde mit der Poliermaschine verjagt. Abschließend alles Polieren und gemäß Anleitung gut einölen.

 

Der zusammengesetzte Untertisch. Welle und Reiblager sind frisch gefettet, Schrauben geölt. WD-40 und Castrolfett sei Dank.

Der zusammengesetzte Untertisch. Welle und Reiblager sind frisch gefettet, Schrauben geölt. WD-40 und Castrolfett sei Dank.

Fertig montierte Adler 30-1 nach Revision und Einbau von Ersatzteilen. Es fehlt noch eine neue Spannfeder für das Füßchen auf der Rückseite der Maschine.

Die fertig montierte Adler 30-1 nach Revision und Einbau von Ersatzteilen. Es fehlt noch eine neue Spannfeder für das Füßchen auf der Rückseite der Maschine. Eine erste Probenaht konnte ich auch schon machen (Probe unter der kleinen Ölflasche im Bild) und nach mühsamem Einstellen von Unter- und Oberfadenspannung sieht die wirklich gut aus. Die Adler ist nun der älteste restaurierte Oldtimer in der Halle!