Arbeiten am Jaguar Teil 5

Crack, Kaperfahrt zum Katzenkiller und Jahresende

Drei der vielen kleinen Kisten für ausgebaute Anbauteile

Drei der vielen kleinen Kisten für ausgebaute Anbauteile

Wie schon im vierten Beitrag zum Jaguar angekündigt, wird der XJ weiter für die Lackierung vorbereitet. Dazu gehört das Entfernen von Anbauteilen wie Außenrückspiegeln, Blinkern, beim Jaguar auch viel Chrom, usw.
Auch die Windschutzscheibe muss raus. Nein, muss sie eigentlich nicht. Es würde für die Lackierung vollkommen genügen, die Gummidichtungen und die Chromverkleidung zu entfernen und den Rest sauber Abzukleben. Das geht tatsächlich, denn nur optisch ist der Jaguar wie ein Fahrzeug der 60er konstruiert. Damals wären Keder, Spreizgummilippen und zur Verkleidung eine Chromleiste üblich gewesen. Der XJ stammt aber aus den 80ern und da hat man Scheiben üblicherweise verklebt. So auch hier – die Chromleiste ist nur aufgesetzte Deko. Man kann die Scheibe also mit oder ohne den Zierrat heraustrennen. Wenn man will oder wenn man muss… Ich musste, denn ich werde ja noch den Dachhimmel neu einsetzen, weil der alte herunter hing.

Die Scheibe ist hin. Wäre vielleicht vermeidbar gewesen...?

Die Scheibe ist hin. Wäre vielleicht vermeidbar gewesen…?

Das ist eine typische XJ-Krankheit und zum Einsetzen des Himmels muss die Front- oder Heckscheibe raus. Die abgebauten Teile habe ich aussagekräftig beschriftet in einzelne Kartons verpackt, so dass das Zusammensetzen später kein zu schwieriges Puzzlespiel wird.

Crack! Entweder habe ich mich zu ungeschickt angestellt und habe in einem zu steilen Winkel geschnitten oder die Scheibe hatte Spannungen oder der Kleber war zu hart. Vielleicht auch eine Kombination aus allen drei Ursachen, jedenfalls war die Scheibe nun hin. Das passiert beim Ausbau gar nicht so selten, weshalb die Wechsel-Profis bei alten Scheiben auch keine Garantie für ihr Handeln geben. Ersatz musste nun her! Und einige andere Teile benötigte ich auch noch. Diese gibt es in ausreichender Menge beim Katzenkiller in Frankfurt. Es handelt sich um einen auf Jaguare spezialisierten Verwerter. Auf dem kleinen Hof der beiden Jungs stehen dicht gedrängt rund 10 Fahrzeuge vom Typ XJ, XJS und XJC in unterschiedlichem (End-)Zustand. Und auch eine kleine Halle mit schon bereits ausgebauten Teilen im Regal gibt es hier.

Neue alte Teile als Ergebnis meiner Kaperfahrt nach Frankfurt

Neue alte Teile als Ergebnis meiner Kaperfahrt nach Frankfurt

Die Qualität der ausgebauten Gebrauchtteile ist akzeptabel gut und der Preis ein gutes Stück unter dem, was man für Teile bei Limora ausgibt. Bei Letzteren erhalte ich zwar Neuware, aber dies sind oft Reproteile aus Fernost und man kann jetzt länger darüber diskutieren, ob gebrauchte Originalteile aus England oder neue aus Thailand besser sind. Ich erstand zwei Blinker für die Stoßstange vorn, zwei Tankabdeckungen oder untere Kotflügel hinten (davon eine neu und bislang unverbaut aus Lagerbeständen), eine Luftfilterabdeckung (da war meine vom Lack besser, hatte aber leider nur noch eine Halterung) und eben eine neue gebrauchte Winschutzscheibe mit allem Chrom und Lametta. Ich werde nun die Luftfilterabdeckung Sandstrahlen und neu Lackieren. Auch die Winschutzscheibe muss ich noch von alten Kleberresten befreien, bevor sie wieder eingebaut wird. Aber davon erzähle ich beim nächsten mal im nächsten Jahr.

Die arme grüne Katze hat nun keine Scheibe mehr, keine Motothaube und auch keinen Dachhimmel aus Stoff. Kommt alles im nächsten Jahr zurück.

Die arme grüne Katze hat nun keine Scheibe mehr, keine Motorhaube und auch keinen Dachhimmel aus Stoff. Kommt alles im nächsten Jahr zurück.

Wer auch Teile für gealterte Jaguare benötigt, wendet sich an:
Auto Radtke, Wächtersbacher Str. 84, 60386 Frankfurt, Email: katzenkiller1@arcor.de
oder geht eben doch zu Limora, die jetzt in immer mehr Städten Geschäfte aufmachen.

 

Dies war mein letzter Beitrag für 2012. Im nächsten Jahr geht es weiter mit dem Jaguar (Lackierung und Zusammenbau), dem Audi (Motorhaube und Querlenker), dem Land Rover (Türen) und vielleicht sogar schon mit dem MG. Frohes Neues 2013!

Arbeiten am Jaguar Teil 4

Wie schon im vorangegangenen Teil beschrieben, hatte ich Lochfraß im Kofferaum. Jetzt kann man eine Restaurierung auch so betreiben wie Sven Wedemeyer in seinem Spencer (MGB). Er lässt ganze Kofferraumwannen heraustrennen und dann neue einschweißen. Das ist ganz schön kostspielig, aber auch eine sehr saubere Lösung. Ich wähle den günstigeren Weg, weil ich erstens beim Jaguar auch nicht die ganz perfekte Restaurierung anstrebe und zweitens für ein paar kleine Löcher einen Flicken für angebrachter halte.

Zur Erinnerung noch einmal das Ausgangsbild. Im Jaguar laufen unter der Abdeckung die Verbindungen der beiden Tanks zur Benzinpumpe. Das macht das Heraustrennen des rostigen Knäckebrotblechs spannend.

Wenn das Blech draußen ist – in diesem Fall ensteht ein trapezförmiges Loch – wird die Form auf Pappe übertragen und dies als Schablone für ein genau passendes Reparaturblech benutzt. Je nachdem wie komplex die Form ist, nutze ich hierfür einen Trennschleifer mit sehr dünner Scheibe oder einen Plasmaschneider. In jedem Fall ist es wichtig, ein gutes Stück ins gesunde Blech zu schneiden, damit der Rost nicht gleich wieder von vorn beginnt. Rost im Blech ist wie Karies im Zahn!

Das passende neue Stahlblech der Stärke 0,8mm wird erst einmal provisorisch mit dem Schweißgerät festgepunktet.

Anschließend habe ich mehrere Einzelpunkte gesetzt und an der unteren Seite eine durchgehende Naht mit vergleichsweise viel Materialauftrag gezogen. Beides anschließend mit einer Schruppscheibe beigeschliffen. Das Ergebnis sieht auf dem Foto wüster aus als in der Realität.

Als Rostvorbeugung wurde dann eine Schicht Zink aus der Spraydose aufgetragen. Anschließend habe ich noch bestehende Unebenheiten mit Füllspachtel geglättet, nach dem erneuten Planschleifen noch eine Schicht Zinkspray, da es wohl leider unvermeidbar ist, das blanke Blech an einigen Stellen wieder zu sehen. Das Foto unten zeigt den Zwischenschritt vor dem Spachteln.

Ganz zum Schluss noch eine dünne Lage Filler (feiner Sprühspachtel) als Vorbereitung für die Lackierung. Sobald dieser getrocknet ist, müssen mit ganz feinem Schleifpapier die abgeklebten Kanten nach plan geschliffen werden. Alles in allem ist das Einsetzten des kleinen Bleches auch ganz schön aufwändig und dauert mit den verschiedenen Zwischenschritten mehrere Tage. Kein Wunder, dass ein professionell kalkulierender Karosseriebauer heutzutage lieber schnell eine fertige Kofferraumwanne einsetzt.

Ich allerdings kalkuliere keine Fahrzeug-Standkosten in meiner eigenen Werkstatt und habe am Wochenende auch keinen Stundenlohn oberhalb von 60 Euro. Die anteiligen Materialkosten lagen diesmal unter 10 Euro – vorausgesetzt Geräte und Material sind schon vorhanden. In den Trocknungsphasen kann ich den Jaguar vom Chrom befreien. Auch dies ist eine Vorbereitung zur Lackierung. Doch davon erzähle ich in Teil 5.