Vorgelesen: Youngtimer Links im Juli

Es folgt eine Auflistung der im Juli neu erstellten oder veröffentlichten Artikel zum Thema Youngtimer und Oldtimer. Viel Spaß beim Klicken und Lesen.

Sportliche Youngtimer bis 15.000 Euro, diese Sportwagen haben Klassiker-Potenzial

Immer mehr Oldtimer

Ab wann ist ein Youngtimer «old»?

Im Auftrag der Army

 

 

Internet Autoanzeigen in Deutschland und im Ausland

Die drei Platzhirsche in Deutschland für die internetbasierte Suche nach Gebrauchtwagen (oder auch Autobörsen) sind mobile.de autoscout24 und ebay. Danach kommt erst einmal lange Zeit gar nichts und dann vielleicht noch Kalaydo und noch einmal ebay (Kleinanzeigen).

Behördenfahrzeuge und sicher gestellte Fahrzeuge gibt es in den Auktionen von Zoll und Justiz. Die Fahrzeuge selbst müssen bei beiden nicht unbedingt qualitativ besser als bei ebay sein, dafür sind die Anbieter immer eine deutsche Behörde und keine windigen Teppichverkäufer.

Auch die jeweiligen Oldtimer-Magazine und Fachzeitschriften haben mitunter ein paar Unterseiten mit Online-Anzeigen geschaltet. Speziell für Inserate von Oldtimern bietet sich Oldtimerpalace an.


Wie sieht das im Ausland aus?

Manche Plattformen werden bekannt erscheinen, da es die europäischen Ableger der uns schon bekannten Internetauftritte sind. Gemäß einer Studie der Universität Duisburg-Essen ist der Markt für online-Autoanzeigen nur für Mittel- und Osteuropa existent. In Südeuropa hingegen spielt das Verkaufsinserat für Autos im Internet keine Rolle. Und verglichen mit den beiden großen Anbietern in Deutschland (mobile und autoscout24) sind alle anderen Portale in Europa nur sehr kleine Fische.

Hier mal zusammengefasst für die wichtigsten Märkte:

USA: ebay, cars.com, cars-on-line, autotrader, deals-on-wheels, hemmings, classiccars

Großbritannien: ebay, autotrader, loot, autobytel, usedcarmart, exchangeandmart, autoweb, usedcartrader sowie www.motoring.co.uk , die mich explizit darum gebeten haben, den direkten Link auf deren Seite zu entfernen, weil Google das nicht so gern mag.

Frankreich: automobile, automarche, topannonces, cardisiac, lacentrale

Niederlande: autoscout, marktplaats, autokopen, autotrader

Belgien: autooccasion

Skandinavien: bilbasen (DK)

Österreich: Man kann mit eingegrenzter Suche die deutschen Portale von mobile.de und autoscout benutzen sowie  car4u, automobile, gebrauchtwagen-markt.at

Schweiz: automarkt, drive-in, car4you.ch (ab 2017 unter autoricardo.ch)

Italien: automobile, autoscout, autopronta

5 Euro spenden – Oldtimer gewinnen

Ford Capri. Bildquelle: Lebenshilfe Giessen

Die Lebenshilfe Gießen e.V. betreibt noch bis zum Ende 2011 ihre Oldtimerspendenaktion. Dabei werden Lose zu je 5 Euro verkauft und folgende Preise stehen diesmal im Angebot:

  • Der rote Ford Capri von Urban Priol (oben)
  • Ein Fiat Dino Coupé
  • Ein Mercdes 190 C aus dem Jahr 1965
  • Ein BMW 2000 von BMW Classic
  • Ein Porsche Traktor von 1960
  • Eine BMW R45 aus den späten 70ern
  • Eine Replika des original Benz Motorwagens
  • Diverse Reifen, Schutzdecken, Dienstleistung wie Trockeneisstrahlen, Zeitschriftenabos, Eintrittskarten zu Oldtimerveranstaltungen usw. sind als Trostpreis angegeben.

Wer leider keinen Gewinn abbekommt, hat zumindest 5 Euro für eine gute Sache gespendet. Der Erlös fließt in die Entwicklung des Kompetenzzentrums berufliche Bildung für Menschen mit mehrfacher Behinderung.

Am einfachsten kommt man an die Lose, indem man 5 Euro oder für mehrere Lose ein Vielfaches dieses Betrages an

Inhaber: Lebenshilfe Gießen e.V.
Konto: 200 626 000
Bank: Sparkasse Gießen
BLZ: 513 500 25

überweist. Hier gibt es noch ein paar Videos zur Spendenaktion aus dem letzten Jahr und vielleicht bald auch etwas aktuelleres Material. Viel Glück!

Erneuerung des Schalthebels im Land Rover Serie III

Ich musste ziemlich dumm gucken als ich bei meinem letzten Ausflug mit dem Land Rover anfuhr und dann plötzlich die Gangschaltung – genauer den Schalthebel – lose in der Hand hielt. Er war nach über 35 Jahren aufgrund von Materialermüdung einfach abgebrochen. Zudem an einer sehr ungünstigen Stelle, so dass die Rückfahrt sehr langsam und ausschließlich in dem zum Glück noch eingelegten ersten Gang erfolgte. Eine Kurze Nachfrage bei den Insassen im Black Landy Forum ergab, dass dies gar nicht so selten vorkommt.

Heute weiß ich, dass es wesentlich schneller und einfacher gewesen wäre, den Schalthebel an der Bruchstelle wieder sauber anzuschweißen. Aber da die Teile Land Rover typisch recht günstig sind und ich damit auch eine optische Aufwertung des Innenraums vornehmen konnte, beschloss ich die kaputten und einzelne sehr abgenutzte Teile wie Gummischutz, Schalthebel und Kugelkopf durch neue zu ersetzen. Bei den Teilen unten in der Liste habe ich LR-Teilenummer sowie den gerundeten aktuellen Marktpreis abgegeben. Bezugsmöglichkeiten bestehen zum Beispiel über John Craddock Surplus oder ebay.

 

Das Vorgehen im Einzelnen:

  1. Um den Hebel ausbauen zu können, müssen zuvor die Bodenbleche im Fußraum ausgebaut werden. Dazu beim Fahrer die Pedale nach unten drücken und alle drei Schalthebelköpfe demontieren
  2. Danach den Mitteltunnel demontieren. Es sind alles schnell erkennbare Schrauben, daher spare ich mir die Details
  3. Nun liegt der Sattel frei und kann an vier Schrauben gelöst werden. Die beiden vorderen sind in einem blöden Winkel verbaut, so dass man mit einem normalen Gabelschlüssel immer nur knapp 10° drehen kann und dann neu ansetzen muss.
  4. Man kann dann das Gehäuse vom Sattel mit vier Schrauben lösen. Diese sind gesichert und die Sicherungen müssen vorher geöffnet werden.
  5. Sobald die seitliche Arretierungsschraube und der Sprengring gelöst sind, kann man die Einzelteile in der Werkstatt zusammen suchen, weil die Feder nach oben herausgeschossen und der Rest vom Schalthebel nach unten auf den Boden gefallen ist.
  6. An allen Teilen klebt der Gammel von Jahrzehnten. Eine Reinigung in Benzin oder geeignetem Industriereiniger unter Zuhilfenahme eines Borstenpinsels oder einer Zahnbürste wirkt hier Wunder. Auch die Drahtbürste kommt zum Einsatz.
  7. Nun können die Teile noch einmal sortiert und beim Zusammenbau gut gefettet werden.
    Ich liebe diesen Satz: Der Zusammenbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge zur Demontage.

 

Benötigte Teile:

  • Gummischutz oben, 301437, 3 Euro
  • Feder, 219723, 1 Euro
  • Rückhaltescheibe, 219722, 5 Euro
  • Sprengring, 219797, 1 Euro
  • Arretierungsschraube, 507447, 1 Euro
  • Kugelkopf, 576316, 3 Euro
  • Schalthebel, FRC2046, FRC2047, FRC 3530, FRC 3531 (abhängig von Rechts- oder Linkslenker, 4 oder 6 Zylinder Motor), 17 Euro
  • Gehäuse, 219714, 14 Euro
  • Kugelsitz, 219721, 1 Euro
  • Sattel, 232608, 16 Euro

 

Benötigte Werkzeuge und Material:

  • Diverse Schraubendreher
  • Gabelschlüssel
  • Fett
  • Reinigungsmittel
  • Sprengringzange
  • Drahtbürste
  • Zahnbürste

Arbeitszeit: 6-8 Stunden

Einzelteile nach Demontage und Reinigung

 

Einzelteile zusammen gesetzt

Schaltung mit Einzelteilen in der Schemazeichnung

 

Der beste Platz zur Restaurierung von Autos

Wie sieht der am besten geeignete Platz zur privaten Restaurierung eines Fahrzeugs aus?

Bei meinen Gesprächen zur Vermietung von Stellplätzen in der Youngtimer Garage Köln werden immer wieder die gleichen Wünsche angesprochen:

Der Platz, der Preis, die Lage, die Ausstattung, die Anderen.

Der Platz

Nicht jeder hat eine vollausgestattete KFZ-Werkstatt im Keller. Die meisten rüsten eine normale Garage um. Das Alltagsfahrzeug muss dann eben draußen schlafen und Gartengeräte kommen in die Laube. Auf dem Land ist das noch leicht machbar. Nicht umsonst findet man in dichter besiedelten Gebieten nur noch wenig Leute, die sich als Hobby mit der Restaurierung oder Aufbereitung von alten Fahrzeugen befassen. Kann man den fertigen Youngtimer und Oldtimer noch bequem in der Tiefgarage abstellen und an Sommerwochenenden zum Leben erwecken, sieht es mit der benötigen Ansammlung von kleinem und größeren Werkzeug schon anders aus.

Ideal ist es, wenn man ohne Ballettübungen einmal um das Fahrzeug herum laufen kann. Sonst ist man zu häufig genötigt, neu zu rangieren. Das ist insbesondere wenig lustig, wenn man das Auto zuvor aufgebockt hat. Wer mit dem Platz geizen muss, weil er zum Beispiel zwei Autos unterbringen muss, sollte darüber nachdenken, Rangierrollen anzuschaffen. Damit können Autos auch auf der Stelle gedreht oder in sonst nicht zugängliche Winkel geschoben werden. Voraussetzung ist natürlich ein sehr ebener und sauberer Boden, da sonst die Rollen blockieren oder die Karre schräg vor die nächste Wand rollt. Die Kosten für ein Paar Rangierrollen im Versand liegen bei ca. 80 Euro. Siehe das Video unten zur Anwendung von Rangierrollen.

 

Der Preis

Wie schon oben angedeutet, ist der verfügbare Platz in Großstädten limitiert. Entweder bemüht man sich, einen verlassenen Schuppen im Umland zu finden oder es wird vergleichsweise teuer. Das gilt für Garagen, Hallen und Stellplätze gleichermaßen. Was auf dem Land in Mecklenburg Vorpommern finanziell noch für ein Einfamilienhaus mit Doppelgarage und Garten gereicht hat, zahlt man in Köln und München schon für eine 60qm Etagenwohnung plus Garage im Hinterhof. Mieten von über 100 Euro für eine normale Garage sind in Großstädten keine Seltenheit. Insofern ist dort die Suche nach „rund 100 qm Schrauberhalle für maximal 250 Euro“ als völlig utopisch zu bezeichnen.

 

Die Lage

Auf dem Land - Quelle: piqs.de, Foto 116487 von gammelstaad

Jeder muss für sich ausmachen, wie weit er bereit ist, zu seinem Stellplatz anzureisen. Wo der eine nach dem Abendessen in Hausschuhen nur noch zwei Treppen nach unten schlurfen will, nimmt ein anderer auch gern eine Stunde Anfahrt in Kauf. Das ist letztlich auch immer eine Frage des Preises und der Verfügbarkeit. Schwieriger wird es in Wohngebieten, weil man dort nicht bis spät in die Nacht die Flex sprechen lassen kann. Schwere Maschinen hört man nachts auf jeden Fall noch drei Straßen weiter. Auf Gelände mit gewerblicher Nutzung gemäß Bebauungsplan haben die Nachbarn schlechtere Karten auf ihre Ruhe zu drängen. Auf dem Land hingegen können Umweltauflagen im Naturschutzgebiet den Betrieb einer Schraubergemeinschaft erheblich behindern.

Wer kein Alltagsfahrzeug zur ständigen Verfügung hat, sollte auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen können. Auf der anderen Seite müssen gerade bei der Fahrzeugaufbereitung auch mal größere Dinge transportiert werden. Eine Laderampe oder einfache Zufahrt sollte also gewährleistet sein. Ich habe durchaus brauchbare Hallen gesehen, die jedoch nur über einen Feldweg von 200m Schlamm und Schotter mit 20 cm tiefen Schlaglöchern erreichbar waren. Das will man weder mit dem zuvor mühevoll restaurierten Oldtimer noch bei einem Fahrzeugtransport mit dem Hänger auf sich nehmen.

Ein enormer Vorteil ist auch, wenn sich gute Fachbetriebe (z.B. ein Lackierer, ein Polsterer, eine Tankstelle mit Waschplatz, …) in der Nähe befinden. Sei es, um für einen Kostenvoranschlag mal eben rüber zu kommen, Einzelteile für eine Reparatur über den Zaun werfen zu können oder schnell Ersatz für irgendwas zu beschaffen.

 

Die Ausstattung

Strom – genügend abgesichert – und Wasser sollten auf jeden Fall vorhanden sein. Die Luft sollte ein wenig zirkulieren können und das Dach sollte dicht sein. Feuchtigkeit ist der Tod für Karosserie, Werkzeug und Maschinen. Bei Tageslicht arbeitet es sich immer besser als unter Kunstlicht allein. Für bestimmte Arbeiten sollte jedoch beides verfügbar sein. Eine Heizung ermöglicht auch im Winter zu arbeiten. Steife Finger und kalter Rücken sind nicht nur unangenehm, sondern beides kann auch zu Verletzungen führen. Eine Hebebühne oder Grube ist schon Luxus, aber wer sie hat, weiß diesen Luxus zu schätzen. In Mietwerkstätten kostet eine Hebebühne ca. 8 Euro pro Stunde. Ist eine Bühne also zur Mitbenutzung vorhanden, darf dann auch die Miete etwas teurer sein. Ölabscheider oder zumindest Auffangbehälter können sinnvoll sein; das hängt immer von den Arbeiten ab, die durchgeführt werden sollen. Gleiches gilt für Schweißgerät oder Druckluftwerkzeug: Man kann es sich leihen, man kann besitzen oder man kann es sein lassen. Weil es staubig und schmutzig werden kann, sind verschließbare Werkzeugkoffer oder –schränke ratsam und auch das Fahrzeug sollte abgedeckt werden können. Alle anderen Werkzeuge sind keine Wissenschaft sondern eine Glaubensfrage. Nicht nur der Einsatzbereich und die reine Anzahl auch die Qualität kann entscheidend sein. Ich denke, über Werzeug sollte ich einen separaten Beitrag verfassen, das Thema führt hier zu weit.

 

Die Anderen

Wer sind die Anderen? Wer allein schraubt, wird irgendwann auf Hilfe angewiesen sein. Sei es, um gemeinsam etwas Schweres anzuheben oder Dinge anzureichen oder auch nur um Erfahrungen auszutauschen, günstige Bezugsmöglichkeiten in Sammelbestellungen zu nutzen oder nach abgeschlossener Arbeit ein Benzingespräch zu führen. Große Hallen sind in Anschaffung und Betrieb günstiger als kleine, daher lohnt es sich, den Raum mit Gleichgesinnten zu teilen. Gleichgesinnte zu finden, ist sehr wichtig, denn man kann man zu unterschiedliche Interessen nur schwer unter einen Hut bringen. Als Untermieter in der Halle von einem überbesorgten Bootsbesitzer schraubt und youngtimert es sich nur sehr befristet. Das kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Diese Bündelung von gleichem Interesse und Interessierten machen im ganz großen Stil die Meilenwerke vor. Auch wenn deren Intention, das Niveau und auch die Preise etwas anders sind als zum Beispiel in der Youngtimer Garage Köln.

 

 

 

Einfach dort vergessen

Oldtimer, Youngtimer, Classic Cars in Google Street View

Google Street View zeigt keine Hochglanzbilder von Musteroldtimern, sondern mehr oder weniger zufällig fotografierte Altautos in ihrer natürlichen Umgebung. Wer weitere Oldtimer und Youngtimer in freier Wildbahn findet, darf sie mir gern als Link senden.


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Was bedeutet TLC in Autoanzeigen?

Besonders in britischen und amerikanischen Anzeigetexten für ältere Fahrzeuge findet man mitunter die Formulierung „needs some TLC“. Das liest sich dann zum Beispiel so:


1974 Ford Gran Torino Coupe, $14,500

113,000 Miles, red colour, has a 351 Windsor gently modified. It has a rock solid transmission and rear end. Chrome wheels. The engine was professionally rebuilt a couple of years ago. Needs some TLC.

1974 Ford Gran Torino, www.flickr.com/photos/7969902@N07/1365076871/


 

TLC ist eine Abkürzung die ursprünglich aus dem medizinischen, psychotherapeutischen Fachgebiet stammt, inzwischen aber ebenso häufig in anderen Bereichen, besonders bei Classic Car Enthusiasten verwendet wird. Die ursprüngliche Bedeutung Tender Loving Care wurde als Diagnose und  therapeutische Maßnahme eingesetzt, wenn die medizinischen Maßnahmen ausgeschöpft waren und bedeutet letztlich so etwas wie Einfühlungsvermögen oder liebevolle Zuneigung.

Ein Youngtimer in need of  some TLC  ist meist ein Headturner (Blickfang) auf drei Meter Enternung, hat aber diverse kleine technische und/oder optische Macken, um die sich sein derzeitiger Eigentümer nun nicht mehr kümmern möchte. Inzwischen wird die Formulierung auch immer häufiger in der deutschsprachigen US-Car Scene verwendet. Sie drückt viel besser aus, dass man nicht ewig „mit kleinen Schönheitsfehlern“ am Auto leben sollte, sondern diese mit ein paar Handgriffen korrigiert.

Gurt- und Anschnallpflicht in Youngtimer und Oldtimer

Mal abgesehen vom Sicherheitsaspekt – bitte keine blöden Ausreden „der Gurt ist so straff, dann kann ich nicht atmen, er nimmt mir die Bewegungsfreiheit, hemmt meinen regelmäßigen Herzschlag und meine Konzentration beim Fahren“ sowas ist völliger Quatsch – sind Sicherheitsgurte seit über 35 Jahren in Deutschland herstellerseitig Pflicht.

Ich lasse bestenfalls technische Gründe gelten, warum das Anbringen von funktionierenden Sicherheitsgurten im Oldtimer keinen Sinn macht. Die Haltepunkte der Gurte müssen fest mit der Karosserie verbunden sein, so dass die Insassen trotz der bei einem Aufprall entstehenden Kräfte in ihrem Sitz gehalten werden. Die benötigten Bohrungen für Höhenversteller, Gurtstraffer, Umlenker und Gurtpeitsche dürfen auch nicht in zu dünnem Blech ausreißen. Zudem müssen die Spannrollen bei (nachgerüsteten) Dreipunkt-Automatikgurten korrekt angebracht sein, denn sonst arretieren sie im Notfall nicht.

Je nach Bauart fallen bestimmte Konstruktionen aus. In einem Land Rover (Serie I bis III) muss man zum Beispiel einigen Aufwand betreiben, um Automatikgurte einbauen zu können, weil für die obere Umlenkung für den Gurtstraffer gar keine vernünftige Halterung in der B-Säule zu finden ist. Einfach zu installieren aber etwas umständlicher in der Handhabung ist jedoch ein normaler Dreipunktgurt. In noch älteren Fahrzeugen und dabei vor allem in Cabrios wird man möglicherweise nur die auch aus dem Flugzeug bekannten Zweipunktgurte anbringen können. Gleiches gilt bei alten Autos meist für die Rücksitze. Das ist immer noch besser als gar nichts, schützt aber bei einem Unfall mit Frontalaufprall nicht vor heftigen Kopfschmerzen.

Für PKW müssen in Deutschland seit 1974 (DDR seit 1978) , In Österreich seit 1976, in der Schweiz ab 1981 auf den Vordersitzen Dreipunktsicherheitsgurte eingebaut sein. Für die Rücksitze gelten die Jahre 1979 (Deutschland), 1984 (Österreich), 1994 (Schweiz). Warum ist das interessant? Weil die Gurtpflicht für Fahrzeuge immer abhängig von Baujahr und Ort der Erstzulassung ist. Soll heißen: Wenn ich ein Fahrzeug aus dem Ausland importiere, dann importiere ich damit auch die Gurtpflicht. Das baugleiche Modell mit Erstzulassung in der Schweiz muss zum Beispiel erst 15 Jahre später auf den Rücksitzen Sicherheitsgurte haben, auch wenn beide Fahrzeuge inzwischen in Deutschland zugelassen sind. Dies wird üblicherweise genau so im KFZ-Schein vermerkt. Sobald aber Gurte eingebaut sind – egal ob verpflichtend oder freiwillig – besteht auch Anschnallpflicht. Gemäß §21a StVO müssen Sicherheitsgurte während der Fahrt angelegt sein. Fahren ohne Gurt kostet 30 Euro, bei Kindern ohne Sicherung 40 Euro und einen Punkt in Flensburg. Verantwortlich für das korrekte Anlegen der Gurte ist immer der Fahrer.

Wer sich in einem Oldtimer ohne Sicherheitsgurte bewegt, setzt sich aber nicht schon allein dadurch schuldhaft einem höheren Verkehrsrisiko aus. So sieht es zumindest das Landesgericht Köln (Az. 2 O 497/06). Die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers wollte die Kosten für Personen- und Sachschäden nicht oder nur in geringem Anteil tragen, weil der OIdtimer keine Gurte eingebaut hatte. Dem Unfallopfer sei aber kein Verstoß gegen die Anschnallpflicht gemäß der StVO (siehe oben) zur Last zu legen, weil das historische Fahrzeug nicht über Anschnallgurte verfügte, die Sitze aber der zugelassenen Benutzung in diesem Sonderfall entsprachen.

Nachtrag: Bei Limora gibt es Anschnallgurte zum Nachrüsten. Durch die vielen unterschiedlichen verfügbaren Farben und Webmuster lassen sich besonders im offenen Klassiker sehr schöne Akzente setzen. Preis pro Paar ca. 250 EUR. Günstiger geht es bei Stevens. Die Preise rangieren hier je nach Bauart zwischen 30 und 70 Euro je Sitzplatz. Ansonsten gibt es auch immer noch ebay.

 

 

 

Die Motoröl-Bibel (Teil 2)

Im ersten Teil Der Motorölbibel wurde die Funktionsweise von Motoröl generell erläutert, die W-Nummern erklärt, Ölschlamm und die Frage nach der Haltbarkeit von Motorölen erklärt. Im Zweiten Teil werden nun viele weitere häufig aufkommende Fragen erklärt. Insbesondere an den Suchbegriffen, mit denen Euch Google auf die Seiten der Autobibel führt, kann ich erkennen, dass das Interesse anscheinend vorhanden ist.

 

Oldtimer-Motoröl oder High-Milage Oil

Immer mehr Produzenten stellen spezielle Motoröle für ältere Fahrzeuge oder Motoren mit hoher Laufleistung (über 125.000km) her. Zum Beispiel dieses hier. Aber es gibt auch von Castrol, Penrite und anderen Herstellern ähnliche Angebote. Das besondere an diesen Ölen sind die beigefügten Additive. Das erste Additiv sorgt üblicherweise für ein Anpassung der physikalischen Eigenschaften des Motoröls selbst, damit den Anforderungen an Druck, Temperatur, Toleranzen etc. Rechnung getragen wird. Moderne Motoren arbeiten nämlich inzwischen unter anderen Bedingungen als noch vor 20 bis 30 Jahren. Das andere Additiv ist ein Dichtungs-Erweiterer. Alte und spröde Dichtungen in einem betagten Motor sollen diese Weichmacher aufsaugen damit bis zu einem gewissen Grad wieder besser abdichten. Ölflecken unter dem Fahrzeug können so verringert oder vermieden werden.

 

Prüf- und Serviceintervalle

Um Himmels Willen bitte knausert nicht am Service. Man kann Motoren nicht zu häufig checken. Siehe hierzu auch die Wartungshinweise in der Auto Bibel. Alle Öle gleich welcher Art bestehen aus verketteten Molekülen. Diese Molekülketten trennen und verkürzen sich mit längerer Laufzeit im Motor. Damit verliert das Öl zunehmend an Viskosität. Deshalb sind regelmäßige Ölwechselintervalle erforderlich. Dunkle bis schwarze Färbung des Motoröls ist hingegen kein Grund zur Besorgnis. Schon nach ein paar hundert Kilometern wird frisches Motoröl seine goldbraune Farbe wechseln. Bei Dieselfahrzeugen schneller als bei Benzinern. Das bedeutet nicht, dass das Öl nicht mehr gut wäre. Im Gegenteil: Es ist der Beweis dafür, dass das Öl sein Dienst tut und Ruß, Metallabrieb und sonstige Bestandteile aus dem Motor abführt.

 

Wie häufig soll ich mein Motoröl wechseln?

Auch hier gilt: Man kann Öl nicht zu häufig wechseln. Je häufiger es gegen frisches ausgetauscht wird, desto länger wird der der Motor halten.

Und ab hier verschwindet die Diskussion in eine Grauzone. Hersteller geben meist 10.000 bis 20.000km als Wechselintervall vor. Besitzer von Oldtimern empfehlen vielleicht alle 3.000 km. Und Onkel Herbert mit dem schlechtem Atem wird sagen, dass er bei seinem Mercedes W123 Diesel noch nie das Öl gewechselt hat, sondern alle 2.000 km einen halben Liter 15W40 nachschüttet und nur ab und an den Ölfilter erneuert.

Tatsache ist, dass im Verbrennungsprozess große Mengen Wasser erzeugt werden und manches davon gelangt in das Kurbelgehäuse. Bei kühlen Temperaturen wird der Wasserdampf kondensieren. Das ist schlecht genug, weil Wasser nicht gerade für seine guten Schmiereigenschaften bekannt ist. Noch schlechter ist es, weil Wasser Nitratverbindungen löst, die während der Verbrennung entstehen. Diese Mischung aus HNO3 (Salpetersäure) und HNO2 (Salpetrige Säure) führt zu Korrosionsschäden.

Damit ist der beste Zeitpunkt für einen Ölwechsel von einer Reihe Faktoren abhängig und die Laufleistung selbst darunter die am wenigsten wichtige.

  1. Anzahl der Kaltstarts (und damit verbundene Kondensation im kalten Motor)
  2. Luftfeuchtigkeit und Außentemperatur (die bedingen, wie lange ein Motor benötigt, um warm genug zu sein und die Kondensation zu stoppen)
  3. Effizienz des Scavening im Kurbelgehäuse
  4. Abnutzungserscheinungen des Motors (schlechte Dichtungen an Kolben und Ventilen verstärken die oben genannten Probleme)
  5. Gleichmäßigkeit der Verbrennung in der Aufwärmphase der Maschine.
  6. Und zum Schluss natürlich auch noch die gefahrene Wegstrecke

Es wäre jetzt extrem schlau, wenn man hierzu eine genau Formel angeben könnte. Tatsächlich macht moderne Bordelektronik nichts anderes und gibt dem Fahrer dann über das Display den fälligen Zeitpunkt bis zum nächsten Serviceintervall an. Die frühen Intervallberechnungen waren allerdings nichts anderes als Kilometerzähler. Im Youngtimer und erst recht im Oldtimer wird die Technik vielleicht noch nicht so schlau sein und wir merken uns, dass die Punkte 1 bis 3 am wichtigsten sind. Ein Kaltstart an einem feuchten Wintermorgen kann wesentlich schädlicher sein, als 10 oder mehr an einem trockenen Sommertag. Wer sein Fahrzeug trocken überwintern lässt, sollte darüber nachdenken, das Öl zwei Mal im Jahr zu wechseln. Zum Beispiel einmal vor der Saison (März/April) und einmal danach (November).

 

Was passiert, wenn der Ölstand überfüllt ist?

Die nachfolgende Beschreibung gilt nur für Motoren mit Druckumlauf- oder Nass-Sumpfschmierung (tiefer gehende Erklärung hier). Dies ist die heute häufigste Bauweise in PKW. Näheres wird hier erklärt. Wer den Ölstand am warmen Motor geprüft oder warum auch immer falsch abgelesen hat und zu viel Öl nachgefüllt hat, riskiert dabei, dass ein zu hoher Öldruck Dichtungen und Ventile beschädigen kann. Im häufigsten Fall werden die hinteren Hauptdichtungen reißen und das Fahrzeug wird fortan Öltropfen über dem Parkplatz ablassen. Bei Fahrzeugen mit Handschaltung kann auch Öl bis zur Kupplungsscheibe gelangen. Wenn das weiterhin unbemerkt bleibt, verabschiedet sich auch die vordere Dichtung und der Wagen wird vom Lecker zum Pisser und verteilt das Öl überall hin. Neben den damit verbundenen Umweltschäden werden wohl auch die Bremsscheiben einzelne Öltropfen abbekommen und damit ihren Dienst versagen.

Im Kurbelgehäuse wird ein zu hoher Ölstand durch die Bewegungen das Öl aufschäumen. Wenn Schaum auf dem Cappuccino noch sehr gut aussieht, ist dieses Öl-Luft Gemisch im Motor schlecht, denn – falls Du es noch nicht weißt – Luft hat keine Schmiereigenschaft. Üblicherweise bedeutet es, der Motor wird sehr schnell abbauen. Insbesondere dann, wenn man auf der Autobahn oder Schnellstraße unterwegs ist. Irgendwann wird sich der Motor mit einem Geräusch verabschieden, dass an einen Konzertflügel erinnert, den man die Treppen hinunter stößt. Außerdem gelangt dann Öl in den Brennraum und wird über die Abgasführung in den Katalysator geleitet. Der ist danach nutzlos.

 

Kann man Öl für Diesel-Motoren auch in Otto-Motoren und umgekehrt verwenden?

Diese Frage zu beantworten ist schwierig. Dieselmotoren laufen konstruktionsbedingt mit höheren Druckverhältnissen und die Betriebstemperaturen sind wesentlich höher. Deshalb sind Motoröle für Dieselaggregate auch entsprechend darauf ausgelegt. Außerdem produzieren Diesel im Verbrennungsprozess mehr Ruß und andere Verbrennungsnebenprodukte. In Diesel-Motorölen sind zum Ausgleich typischerweise etwas mehr Detergenzien (lösende Reinigungsprodukte) enthalten. Darüber hinaus  sei noch erwähnt, dass nur Diesel-Motoröle Schaumverhüter beigefügt haben, weil diese für normale Motoröle nicht benötigt werden.

Soll das jetzt die allumfassende Antwort sein? Nicht ganz: Man hat schon davon gehört, dass Ottomotoren durch Diesel-Motoröle so gut sauber gespült wurden, dass nachher weniger Kompression vorhanden war. Deshalb sollte man vielleicht etwas vorsichtig sein. Man kann aber durchaus ACEA B4 Öle (diese sind für normale Common Rail / Direct Injection Diesel üblich) verwenden, wenn laut Herstellerangaben nur ACEA B3 vorgeschlagen wird. In jedem Fall sind Standardmotoröle wiederum in Dieselmotoren die wesentlich schlechtere Wahl und man sollte auf ein spezialisiertes Produkt mit Additiven zurück greifen.

 


Dieser Text ist an Personen gerichtet, die sich selbst um Pflege und Wartung ihres Fahrzeugs kümmern (wollen). Auf dieser Seite wird privates Wissen vermittelt. Der Autor, der Übersetzer und der technische Anbieter dieser Seiten sind nicht verantwortlich für Sach- oder Personenschäden, die direkt oder indirekt durch das praxisnahe Umsetzen dieses Textes entstehen. Wer sich selbst oder sein Auto verletzt, findet bitte einen anderen Schuldigen. Dies ist die einzige rechtlich autorisierte Übersetzung der Car Bible von Chris Longhurst in deutscher Sprache.